Das "Tragisch Zeitlose" der letzten Phase des Malers Mark Rothko (1903-1970) mit seinen großen melancholisch anmutenden abstrakten Gemälden ist allgemein bekannt, doch war der in der Sowjet-Union (heutiges Lettland) geborene Künstler immer mit der Kunstgeschichte seit der Prähistorie und dem alten Ägypten beschäftigt, wovon nicht nur Titel wie "Room in Karnak" sprechen. Seine intensiven Studien rechtfertigen die Entscheidung, ihn mit den alten Meistern und nicht nebenan im Mumok zu zeigen - auch wenn zwei Säle Venezianische Malerei für die fragilen Gäste weichen mussten. Kurator Jasper Sharp hat sein Projekt mit Rothkos Kindern, Kate und Christopher, über vier Jahre erarbeitet und konnte auf wichtige Werke aus der Familiensammlung zurückgreifen, bereichert von Ikonen aus großen Museen, um die man heftig kämpfen musste.

Anregungen aus der Antike

Mit 46 Gemälden dehnt sich die Ausstellung von Saal VIII in die italienische Abteilung aus, auch viele Kabinette dienen nun Einzelpräsentationen, kapellenartig, wie sich der Künstler das für seine Werke gewünscht hat. Das Frühwerk ist figural und zeigt erstaunliche Bezüge zu Vermeer van Delft, aber auch Pablo Picasso, Giorgio de Chirico, Yves Tanguy, Henri Matisse und Pierre Bonnard. Aus dem Metropolitan Museum nahm er viele Anregungen aus der Antike auf, durch die meist surrealistischen Einwanderer wurde sein Werk symbolischer, ab 1945 löste er sich dann mehr und mehr von der Figur, Mythen der Antike, die Dramenliteratur des Aischylos und die Pharaonenmasken wirkten aber weiter. Ab 1946 wechselte er zu einer eigenwilligen Farbfleckenmalerei und dann kam das große Format, das ihm für die Wirkung seiner abstrakten Gemälde unerlässlich schien. Nachdem er 1949 bekannter wurde, konnte er sich ab 1950 bis 1966 auf vier Europareisen begeben, wobei er von der Höhle von Lascaux, Chartres, Paestum und römischer Wandmalerei, Venedig und die frühen italienischen Renaissancefresken Fra Angelicos und Giottos bis hin zu Michelangelos Architektur von San Lorenzo alle Orte besuchte, die für seine späten Werke entscheidende Impulse gaben.

Mark Rothko im Selbstporträt von 1936 und eins seiner berühmten Farbfeld- Bilder (No. 7 (Dark Brown, Gray, Orange), 1963. - © Kunstmuseum Bern
Mark Rothko im Selbstporträt von 1936 und eins seiner berühmten Farbfeld- Bilder (No. 7 (Dark Brown, Gray, Orange), 1963. - © Kunstmuseum Bern

Mark Rothkovich kam als Einwandererkind nach New York und musste sich nach dem frühen Tod des Vaters mit Berufen wie Kellner, Schauspieler und Lehrer durchbringen, um sich sein Studium zu finanzieren. Trotzdem schaffte er es nebenbei, die Sammlungen der Museen zu besuchen und tausende Jahre Kunstgeschichte wie kaum ein anderer in seine Malerei zu integrieren. Vermeers Licht, seine Fenster, beschäftigten ihn ab den frühen Porträts, in der Tiefe seiner Eindrücke spielte sicher auch die religiöse Erziehung eine besondere Rolle und dazu kam das Interesse an einer Maltechnik, die Tempera mit Öl kombiniert und die Wirkung eines Freskos hinterlässt. Ab 1940 nannte er sich Rothko und kam mit den Vertretern des in der westlichen Welt dominanten "Abstrakten Expressionismus" in das Arbeitsprogramm der Regierung für Wandbilder, in Zeiten fehlenden Kunstmarkts einzige Verdienstmöglichkeit. Die Galeristin Peggy Guggenheim zeigte seine surrealistischen Seestücke 1945, danach wechselte er zu Betty Parsons Galerie, die Kunstkritik und der Direktor des MoMa, Alfred Barr, sowie der Kunsthistoriker Meyer Shapiro wurden auf ihn aufmerksam.