Qualitativ Luft nach oben

Dort fand sie auch zum ersten Mal vor zwei Jahren - als Nachfolger der Art Austria - auf Betreiben des Direktors statt. Doch für das darauffolgende Jahr hat Wipplinger dem Team von MAC-Hoffmann lediglich eine "Quasi-Baustelle in den oberen Stockwerken" (Zitat Graski-Hoffmann) angeboten. Daher ist man in die Hofburg ausgewandert. Hier versucht man nun, das Konzept einer internationalen Messe für zeitgenössische Kunst und Klassische Moderne zu realisieren. Mit Teilerfolgen und einiges an qualitativer Luft nach oben.

Sehr sehenswert und intelligent nähern sich Giese und Schweiger der vorgegebenen künstlerischen Bandbreite an: Sie stellen einerseits breitenwirksam Akte von Schmalix und Klimt gegenüber, andererseits erweist sich die Paarung Arnulf Rainer und Kremser-Schmidt als überaus herausfordernd wie letztendlich stimmig. Hier zeigt sich vortrefflich, wie klug kuratierte und mit weitem Horizont zwischen Zeitgenossen und Klassikern ausgewählte (Überblicks-)
Präsentationen dem Messegedanken entsprechen können. Weitere Highlights der Art Vienna finden Besucher beim Bozener Alessandro Casciaro mit den eindrücklichen Schwarz-Weiß-Fotografien von Sissa Micheli, beim Welser Kunsthaus Wiesinger die Skulpturen des israelischen Künstlers Dan Reisner oder bei Panarte/Galerie Leonhard mit den Aquarell-Kleinodien von Gottfried Fabian (Mezzie: 680 Euro). Im Keller stechen bei jungen Galerien wie Reinthaler Deborah Sengls Zeichnungen und Tierpräparate, oder bei ARCC die Werke von Veronika Suschnig ins Auge.

Verteilte Standorte

Ist bei der zweiten Ausgabe der Art Vienna zweifelsfrei noch künstlerisches Potenzial und eine mögliche Weiterentwicklung zu erkennen, wird es bei der Wikam schon erheblich schwieriger. Nicht nur, dass sie sich wieder auf zwei Standorte verteilen muss, weil das Künstlerhaus noch Baustelle ist, einige Galerien ihre Loyalitäten zwischen Hofburg und den Palais aufteilen, verlangt das angebotene Qualitäts-Mischmasch teilweise nach sehr guten Magennerven. Positiva bei der Wikam: Christoph Bacher mit seinen antiken Schätzen, wie der ägyptischen Mumienmaske. Bei der Galerie bei der Oper lohnt es sich wirklich, die Sammlung japanischer Holzschnitte genauer anzusehen. Andreas Wurzer hat da einige feine Schätze in seinem Repertoire.

"Nicht gut", meint auch Kunsthändler Siegfried Kaiblinger, der auch auf der Art Vienna vertreten ist, auf Nachfrage nach der ersten Woche bei der Wikam. "Bis jetzt!", fügt er unverdrossen noch hinzu.

Das ist immanenter Teil des heimischen Kunstmarkts: Bis Sonntag positiv gestimmt - die Paradoxien kommen dann im nächsten Jahr.

Art Vienna, Hofburg

www.artvienna.org

WIKAM, Palais Ferstel und Niederösterreich

www.wikam.at

Homedepot 2019, Semperdepot

www.home-mag/homedepot

Alle laufen bis Sonntag, 17. März