Wiens Weg in die Moderne zeigt sich vielgestaltig: der Neptun von Michael Powolny. - © Bel Etage/Bauer
Wiens Weg in die Moderne zeigt sich vielgestaltig: der Neptun von Michael Powolny. - © Bel Etage/Bauer

Bei dieser Fülle an Kunstwerken aller Medien bis hin zu Hörstationen sogar mit Arnold Schönbergs Reaktionen auf seine Ehekrise durch den Maler Richard Gerstl, großen Konvoluten an Büchern und Archivalien, an Kunstgewerbe und Möbeln, Plakaten und Fotografien, müssen sich die anderen Museen zum Hauptthema für Touristen aus aller Welt in dieser Stadt warm anziehen, um mithalten zu können. Auf drei Etagen sind zu ?Wien um 1900. Aufbruch in die Moderne? 1300 Werke versammelt, davon nur 50 Leihgaben, viele dauerhaft, oder so wie jene des Wien Museums zumindest über einige Jahre geliehen.

Der Parcours beginnt mit Viktor Tilgners Makartporträt unterm Dach, zwei Räumen mit Aufträgen zur Ringstraßenzeit, dabei die großen Gegensätze in der ?Gründerzeit?, Ambivalenzen wichtiger jüdischer Beiträge zu dieser Kultur und gleichzeitigem Antisemitismus, Anton Romakos ?Abweichlertum? und Gustav Klimts ersten Porträtaufträgen.

Die Star-Künstler
am Beginn der Moderne

Danach der Übergang vom Historismus über ?Stimmungs-Realismus? oder ?-Impressionismus? in Jugendstil und Secession. Im größten Saal natürlich die Präsentation um Gustav Klimts Gemälde und seine Räume, samt Mode-
salon seines Lebensmenschen Emilie Flöge. Um das angestrebte Gesamtkunstwerk wie die umfangreiche Sammelpolitik Rudolf Leopolds zu verbinden, sind auch den Modellen der Häuser, den
Interieurs und dem Kunstgewerbe der Wiener Werkstätte bis hin
zur Reformkleidung sehr viel Platz gegeben, wobei Koloman Moser mit teils exzentrischen
Möbelentwürfen neben klaren Formen Josef Hoffmanns im Sanatorium Westend in Purkersdorf auffällt.

Einige Symbolisten wie Erich Mallina und Ernst Stöhr, weibliche Beiträge zum Thema, aber auch Vergleiche mit Giovanni Segantini, Auguste Rodin, Franz Stuck, Wilhelm Lehmbruck und Ferdinand Hodler ziehen sich weiter in die Präsentation der dritten Etage mit den Expressionisten Egon Schiele, Richard Gerstl wie Schönberg als Maler, der nach der Sonderschau über Oskar Kokoschka allerdings jenem wird weichen müssen.

Die Zäsur
des Ersten Weltkriegs

Im Erdgeschoß folgt die Zeit um und nach dem Ersten Weltkrieg mit Albin Egger-Lienz, Anton Kolig und Bildhauer Anton Hanak, Leopolds stille Leidenschaft für Ernst Barlach und Käthe Kollwitz ist hier integriert. Dazu kommen, neben Max Oppenheimer, Herbert Boeckl und Albert Paris Gütersloh, auch Erika Giovanna Klien, der Hagenbund und die Neue Sachlichkeit sowie das Einmünden des magischen Realismus in die tragische Vertreibung eines Gros der Künstlerschaft um 1900, dokumentiert in einer Medienarbeit von Peter Weibel aus dem Jahr 1993.

Für Kenner der Materie sind einige Gemälde neu: Emil Jakob Schindlers ?Holzgerümpel im Wald? oder Koligs ?Liegender Jüngling in Grau? sowie ein neu entdeckter Hodler, der seine Schau in der Wiener Secession vorwegnimmt. Bei den Bezügen zur Gegenwartskunst hält sich Kurator Hans-Peter Wipplinger nun sehr zurück, zur historischen Präsentationsform fehlen nur noch die echten Zimmerpflanzen zur Wiedererweckung der Räume in Wien um 1900 für alle Sinne einer breiten Fangemeinde.

Ausstellung

Wien um 1900.

Aufbruch in die Moderne

Dauerschau im Leopold Museum

Ab 16. März