Die Diskussion über eine Arbeit bei der Vienna Contemporary 2017 stand am Anfang. "Lukas Wolf hat mich vor einem Bild auf den Belvedere Cercle, den er hervorragend leitet und organisiert, angesprochen und dazu eingeladen", erinnert sich Sissi Bull vor einer Arbeit von Diego Rivera im Museo de Arte Latinoamericano in Buenos Aires (Malba) an den ersten Schritt zur Mitgliedschaft im exklusiven Freundeskreis des Belvederes. "Und kaum ein Jahr später haben wir - mein Mann Philip und ich - die Gelegenheit ergriffen, an der vom Cercle gemeinsam mit der Art Basel organisierten Reise zur Art-Cities-Kunstwoche in Buenos Aires teilzunehmen", hebt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" ein essenzielles Angebot im Programm der Unterstützergruppe hervor.

Neben dem Belvedere Cercle engagiert sich das Ehepaar Bull beim Kunsthistorischen Museum und bei der Albertina. "Aber nicht so intensiv wie beim Belvedere. Hier gibt es ein überaus spannendes, abwechslungsreiches und einzigartiges Programm", begründet Sissi Bull, die seit 15 Jahren versiert zeitgenössische Kunst sammelt, ihr aktives Engagement.

Ein Programm, das neben Reisen auch Atelier- und Sammlungsbesuche sowie VIP-Previews von Ausstellungen des Museums inkludiert. "Unvergessliche Blicke hinter die Kulissen der Kunstwelt", wie es Belvedere-Direktorin Stella Rollig beschreibt. Die Aktivitäten diverser Museen und Kunsthallen, wie jene des Belvederes, Mumoks oder der Secession, die im Zuge der Mitgliedschaft bei den jeweiligen Freundes- und Unterstützerkreisen angeboten werden, klingen für profilierte Kunstliebhaber sehr verlockend. Jedoch haben die einzelnen Gemeinschaften neben der Unterhaltung ganz spezifische Aufgaben für die Institutionen zu erfüllen.

Andere Geldquellen finden

Nachdem Subventionen des Bundes und der Länder in den letzten Jahrzehnten kaum angehoben wurden, waren Direktorinnen und Direktoren gezwungen, sich nach anderen Geldquellen umzusehen, um Ausstellungsbetrieb und Sammlungsankäufe finanzieren zu können. Die Suche war einerseits bei kulanten Unternehmen, die sich als langjährige Sponsoren gewinnen ließen, erfolgreich, andererseits wurde viel in die Akquirierung privater Mäzene investiert. Wahrscheinlich kein leichtes Unterfangen in einem Land, das spätestens mit Ende des Zweiten Weltkriegs die meisten seiner aufgeschlossenen, spendablen Kunstmäzene verloren respektive vertrieben hat.

Welche Aufgaben erfüllen Freundeskreise heute? Wie wichtig sind sie für Museen? Und existieren ausreichend Kunstaficionados, die sich engagieren?