Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit Abu Dhabi die westlichen Blicke mit einem spektakulären Architekturmodell auf sich zog: Eine Kulturinsel namens Saadiyat Island sollte in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate entstehen und neben einem Nationalmuseum, dem (natürlich) weltweit größten Guggenheim-Museum, auch einen von Zaha Hadid futuristisch gedachten Theaterbau beherbergen.

Vor allem der sinkende Ölpreis hat diese zweistellige Milliarden-Investition in die Zukunft nach dem Öl zwar deutlich gebremst, aber der 1,5 Milliarden Euro teure Louvre von Jean Nouvel ist fertig geworden und hat seit seiner Eröffnung vor einem guten Jahr unzählige Touristen angelockt - und natürlich auch viele der nur 15 Prozent echten, ein paar Handbreit über dem Niveau ihrer ausländischen Gastarbeiter auf Zeit lebenden Emiraties.

Im Allgemeinen verströmen verspiegelte, teils ausgefallene Wolkenkratzertürme das Charisma einer Architekturmoderne, die zeigen will, dass man sie sich leisten kann. Der Louvre fällt da völlig aus dem Rahmen. Die weite Kuppel, die die 55 weißen Quaderbauten überwölbt, wirkt mit ihren 180 Metern Durchmesser durch ihre transparente, für Licht (und gegebenenfalls auch Regen) durchlässige Konstruktion wie ein arabisches Muster.

Hier sind Meisterwerke der Weltkunst versammelt. Die Kuratoren haben eine Melange aus angekauften und geliehenen Werken zu einem faszinierenden Gang durch die Weltgeschichte gruppiert. Bei der Auswahl wird dezidiert global gedacht. Koran, Bibel, Tora: In einem abgedunkelten Raum sind sie friedlich vereint. So wie eine mittelalterliche Ritterrüstung und die Pracht eines Samurai. Oder Buddha-Porträtköpfe aus Indien und China. Oder die Verglasungen von Kirchen und Moscheen. Oder eine Ramses-Statue, ein in Stein gehauenes Porträt von Alexander dem Großen und ein Napoleon-Gemälde. Jean Nouvels Dachkuppel vereint das Ganze und sorgt für eine flirrende Atmosphäre, zu der das nahe Meeresgeplätscher die Hintergrundmusik liefert. Dass einem in dieser mit durchdachtem pädagogischem Furor arrangierten Schau plötzlich Voltaire verschmitzt anlächelt, wundert einen dann auch nicht mehr. Da lächelte man gerne zurück.

Neben der gigantischen neuen Moschee, dem verstorbenen Staatsgründer Scheich Zayed gewidmet, ist dieser Louvre ein weiteres, imponierendes Zeichen des Selbstverständnisses von Abu Dhabi - einer Stadt, die jüngst auch ein Gastspiel der Bayreuther Festspiele erlebt hat. Apropos Musiktheater: Vom einst geplanten Opernhaus redet man im Moment zwar nicht mehr, die entsprechenden Häuser in Dubai und Oman dürften den eigenen Ehrgeiz aber wachhalten.