Heiße Würstel? Und sie heißt Sissi und beißt gleich in eine Kaisersemmel. Von Maximilian Otte. - © Kolja Kramer Fine Arts, Maximilian Otte
Heiße Würstel? Und sie heißt Sissi und beißt gleich in eine Kaisersemmel. Von Maximilian Otte. - © Kolja Kramer Fine Arts, Maximilian Otte

Es reimt sich auf Blumen: Bitumen

(cai) Die Pest ist ausgebrochen. Im ersten Bezirk. (Galerie Steinek.) Nein, nicht die mit den Beulen. Die Ölpest! Der moderne Schwarze Tod. Umgebracht hat er da freilich niemanden. Und die Malerei hat schon wieder überlebt.

Alles tiefschwarz. Dabei steht die Gudrun Kampl sonst so auf Rot. Blutroten Samt. Näht aus diesem Organe, Knochen. Oder die Schnüre zur Befestigung von Schutzhäuten am Körper. Ihre Kunst ist eben sehr physisch. Und menschlich. Aber auch pflanzlich und insektuös. Und jetzt hat sie diese teerartige, zähflüssige Masse, die aus Erdöl gewonnen wird, für sich entdeckt: Bitumen. Die gesamte Ausstellung hat sie quasi "geteert". Schmetterlinge und Hirschkäfer (keine echten), Liliensträuße (ebenfalls künstliche). Die hat sie mit der pickigen Substanz, wie der Titel der Schau nahelegt, kostbarer gemacht ("Schwarzes Gold", eine beliebte Metapher fürs Öl). Ja, eh. Zu morbid schönen Vanitas-Stillleben hat sie sie veredelt. Alles ist vergänglich. (Auch das Erdöl.) Und ihre grafischen Malereien auf Leinwand hat sie mit derselben Ölfarbe angefertigt. Revolutionäre Insekten, einfühlsam studiert nach Illustrationen von Grandville aus dem 19. Jahrhundert. Dessen Spezialität: Tiermenschen und Menschentiere. Okay, andere, haptischere Linien, die sich wie Adern zu dekorativen Zeichnungen vernetzen (Libellen, Kafkas Käfer . . .), zu filigraner "Spitze", sind dafür aus Kunststoff. Doch woraus macht man den wohl? Öl!

Sinnlich. Sogar ohne roten Samt. Und wie es ein gutes und ein schlechtes Cholesterin gibt, existiert womöglich genauso ein gutes und böses Erdöl. Aus dem stellt man halt nicht bloß Benzin her. Oder Plastiksackerln. Auch Asphalt. Draußen hab ich mich dann vor allem eins gefragt: Worauf werden die E-Autos fahren, wenn die Ölquellen versiegt sind?

Die Kaiserin von Bling-Bling

(cai) Die Sissi ist endlich auf die Leinwand zurückgekehrt. Ist sie das nicht eh längst ein paarmal? Schon. Nur erinnern tut man sich eben bestenfalls noch an den Bully Herbig. Und? Wer traut sich diesmal? Und fordert die Romy heraus? (Trommelwirbel . . .) Sie spielt sich selbst. Beziehungsweise die Kaiserin Elisabeth spielt die Sissi. Allerdings nicht in bewegten Bildern, in gemalten: "Sissi - Images of a Pop Queen."

Der Maximilian Otte hat bisher ja lieber Promis jenseits vom Großen Teich (und vom Ärmelkanal) für seine bunten Gute-Laune-Bilder "engagiert". Pamela Anderson und so. Hat sie auf Heile-Welt-Partys geschickt, wo jeder penetrant fröhlich ist, ausschaut wie "Miss Photoshop" und alles funkelt und glitzert. Glam-Pop? Hyper-Pop-Art? In den hinteren Raum der Kolja Kramer Galerie sollte man sowieso bloß mit Strahlenschutzanzug rein. Um nicht von so viel Schönheit und Lächeln verstrahlt zu werden. Nicht, dass das vorn total anders wäre. Wo die Sissi regiert. (Halt mit geschlossenen Lippen. Weil sie zu Lebzeiten ihre Beißerchen auch nie zeigen wollte. Und Otte ein Gentleman ist.) Wie ein Kristallluster ist sie behangen. Und sie ist nicht einfach ein Star. Ein ganzes Sternbild ist sie (mit ihren Diamantsternderln im Haar).

Der Wiener Otte verarbeitet Sissis Körperkult, ihr Reisefieber oder das Anker-Tattoo mit sichtbarer Lust am Erzählen und Übertreiben zu sinnlich kitschigen Pop-Bildern, die den grafischen Comicstil sehr gekonnt mit feinsinnigster Malerei vereinen. Überall verbirgt sich ein Augenzwinkern oder eine entdeckenswerte Kleinigkeit. Das Buch "101 Things a Bright Girl Can Do", zum Beispiel. Und die Schwiegermutter steckt im Detail. Oder eigentlich stecken Dartpfeile in der Schwiegermutter. In ihrem Porträt. (Vilma Degischer aus den Romy-Sissi-Filmen.) Die österreichische Lady Di als moderne, emanzipierte Frau. Okay, sie trägt ihre Koffer nicht selber. Aber Zeitschriftenseiten blättert sie ganz allein um. Und so tätowiert hat man sie ebenfalls noch nie gesehen. Eine oberflächliche Kunst? Natürlich. Doch facettenreich wie ein Swarovski-Glaskristall. Bling, bling.