Wien. Wien. Friedrich Achleitner, Doyen der österreichischen Architekturkritik und Hauptvertreter der "Konkreten Poesie", ist tot. Wie der Zsolnay Verlag bekanntgab, verstarb er am Mittwoch im 89. Lebensjahr in Wien. Die Architektur bezeichnete er als "Knochenarbeit", Literatur war sein Vergnügen. Reüssiert hat Achleitner aber in beiden Metiers.

Ein Studium der Architektur erschien dem am 23. Mai in Schalchen in Oberösterreich geborenen Achleitner nach Abschluss der Salzburger Gewerbeschule naheliegend, gebaut hat er aber nie etwas. Die eigentliche Liebe galt der Literatur. 1958 hängte er die Baukunst deshalb erst einmal an den Nagel und widmete sich ganz dem Schreiben. Bereits 1957 war Achleitner gemeinsam mit H.C. Artmann, Gerhard Rühm, Oswald Wiener und Konrad Bayer als legendäre "Wiener Gruppe" erstmals an die Öffentlichkeit getreten und hatte eine sprachexperimentelle Revolution angezettelt. In der internationalen Geschichte der Avantgardeliteratur ist Achleitner, der bei seinen Textarbeiten das Konzeptuelle, die Kurzform und Sprachkritik in den Vordergrund stellte, ein Platz sicher. 1959 veröffentlichte er gemeinsam mit Artmann und Rühm den Dialektband "hosn rosn baa", ein Jahr darauf "schwer schwarz".

Das Lebenswerk

Von der Dichtung konnte er aber nicht leben und der Zufall führte ihn nach dem Zerfall der "Wiener Gruppe" 1964 zur Architekturkritik. Sein Lebenswerk in Sachen Architektur, die mehrbändige Dokumentation "Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert", vollendete der wortmächtige Publizist kurz nach seinem 80. Geburtstag. Daran hatte er seit dem Jahr 1965 gearbeitet. Im letzten Jahrzehnt arbeitete er wieder vermehrt als Literat. Schließlich sei er des Schreibens wegen, nicht der Architektur, nach Wien gekommen, so Achleitner einmal.