Im Waschsalon kurz nach dem Coiffeur. - © Piero Percoco
Im Waschsalon kurz nach dem Coiffeur. - © Piero Percoco

Es sieht ein bisschen aus, als würde eine Flotte Ufos über dem Strand schweben. Die kreisrunden Schatten, die die Bastsonnenschirme werfen, sind seltsam abgetrennt von ihren Erzeugern. "In der Realität sieht es noch viel metaphysischer aus", sagt Piero Percoco. Er hat das Foto gemacht, es ist derzeit im Rahmen des Festivals Foto Wien in der Galerie Ostlicht zu sehen. Die hat sich eine Erneuerungskur spendiert und präsentiert sich nun als Verkaufsgalerie mit verschiedenen Positionen und gemütlichen Sitzinseln vom benachbarten Vintage-Shop. Einer der vorgestellten Fotokünstler in der neuen Reihe "Young Editions" ist der Süditaliener Piero Percoco. Wie es sich für ein junges Talent heutzutage gehört, wurde er erst auf Instagram bekannt - aber erst kürzlich hat er fast alle Fotos auf der Bilderteilplattform gelöscht. Ein Symptom der Reifung als Künstler, aber auch ein Zurückerobern der Privatsphäre und - ein durchaus viel diskutiertes Thema dieser Tage - des eigenen Urheberrechts. "Jeder kann deine Fotos dort nehmen und verwenden, wie er will. Das wollte ich nicht mehr."

Bei der Nonna

Percoco lebt in einem kleinen Dorf nahe Bari, dort macht er auch einen Großteil seiner Fotos. Wie auch in Österreich ist der Ort von der Landflucht der jüngeren Generation geprägt. "Bei uns leben fast nur ältere Menschen." Tatsächlich sind fast nur solche auf seinen Fotos zu sehen, und einmal sogar ihre Zähne im Glas. Das mag trostlos klingen, ist aber bei Percoco überraschend farbenfroh. Die Orangen im blauen Plastiksackerl, das sich fast in die blauen Terrassenfliesen einblendet, leuchten sonnengelb als Heiterkeitsgarant. Percoco nützt den Moment für Kurioses, etwa als bei einer Hochzeit am Kindertisch die Hummerschalen am Teller Gesellschaft vom Plastikdino bekommen. Auch seine höchstpersönliche Umgebung ist vor Percocos Kamera nicht sicher, besonders, wenn er bei seiner Nonna zum Essen eingeladen ist. Da leuchten dann die Wassermelonenreste aus der Spüle. Er fotografiert übrigens immer spontan und ohne Pose mit einer digitalen Kompaktkamera, nur selten mit einer Hasselblad. Die Abkehr vom Analogen hat auch ganz pragmatische Gründe, denn um Fotos in einer guten Qualität, die die Farben so wirken lässt, wie sie es sollen, entwickeln zu lassen, müsste er bis nach Mailand reisen.

Allen Infrastrukturschwierigkeiten zum Trotz bleibt Percoco als einer der wenigen seiner Generation seiner Heimat treu. Und versucht, mit Fotokursen auch anderen das Bleiben schmackhaft zu machen.