Wien. Brauchen die Bundesmuseen eine übergeordnete Führung? Oder sollen sie weiter unabhängig ihrer Wege gehen - und dabei riskieren, einander ins Gehege zu kommen? Die Frage hat schon so manchen Kulturminister beschäftigt. Thomas Drozda, 2016 bis 2017 für die SPÖ im Amt, gab deshalb das Weißbuch Bundesmuseen in Auftrag; der Band schlug drei Reformmodelle vor. Drozda entschied sich, die Eigentümerrolle moderat zu stärken. Er erteilte drastischen Eingriffen und auch Plänen für eine Holding-Konstruktion (nach Vorbild der Bundestheater) eine Absage. Stattdessen sollte ein "Strategieteam" künftig im Kanzleramt über museale Fragen brüten; zudem wollte er die Rolle der Direktorenkonferenz aufwerten: Die Treffen der Museumschefs sollten in Zukunft unter Leitung des Kanzleramts stattfinden. Allerdings, die Pläne lösten sich in Rauch auf: Die SPÖ konnte die Vorhaben nicht mehr rechtzeitig in Gesetze meißeln, bevor sie aus der Regierung flog.

Kein Tadel an Überschneidungen

Nun hat Nachfolger Gernot Blümel (ÖVP) über das Thema nachgedacht und seine Lösung präsentiert. Auch Blümel stützt sich auf die Vorarbeit des Weißbuchs (dessen Modelle er durch Zahlen ergänzen ließ), auch er plant eine eher sanfte Reform - und auch er setzt bei der Direktorenkonferenz an. Der wechselnde Leiter des Gremiums soll künftig durch eine neue Figur "operativ unterstützt" werden, nämlich einen Generalsekretär. Außerdem soll eine Service-GmbH aus der Taufe gehoben werden. Deren Aufgabe besteht darin, Synergieeffekte zu nützen, unter anderem im Ticketing und in der Depot-Arbeit. Durch diese "strategische Planung und Koordinierung" erhofft sich Blümel Einsparungen im einstelligen Millionenbereich. Die Service-Gesellschaft soll mit einem sechsstelligen Betrag (aus den Mitteln des Bundeskanzleramts) dotiert werden, die Leitung bei dem erwähnten Generalsekretär liegen; Letzteren gilt es, demnächst über eine Ausschreibung zu finden. Die Reform soll im Jänner 2020 in Kraft treten.

Video: Generalsekretär und Service-GmbH für Bundesmuseen

Fragt sich freilich: Wird dieser Sekretär auf Augenhöhe mit den Direktoren arbeiten - und könnte es womöglich zu Konflikten kommen? Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" wischt der Minister solche Szenarien vom Tisch: Der Generalsekretär habe vor allem die Aufgabe, "gute Ideen aus der Museumskonferenz umzusetzen".

Blümel betont, die Arbeit der Häuser zu schätzen: Im Vorjahr gelang den acht Institutionen (zu denen unter anderem das Kunsthistorische Museum, das Belvedere und das MAK zählen) eine Besuchersteigerung um 15 Prozent. In die inhaltliche Arbeit wolle sich Blümel nicht einmischen, beteuert er. Und was sagt er zu den thematischen Überschneidungen im Wiener Museumsbetrieb? Dafür ist in der Vergangenheit zum Beispiel die Albertina immer wieder gescholten worden: Dem Namen nach eine grafische Sammlung, punktet das Haus durch Blockbuster-Ausstellungen mit moderner Kunst; Direktor Klaus Albrecht Schröder hofft momentan auf eine weitere Amtszeit.

Seine Chancen scheinen intakt. Wie Blümel erklärt, habe er nichts auszusetzen an einem Engagement, das "über gesetzliche Pflichten hinausgeht", und auch nichts an "starken Persönlichkeiten", die Mäzene an ein Museum binden würden.

Kritik an den Regierungsplänen kam prompt von der Opposition. Amtsvorgänger Drozda, heute Bundesgeschäftsführer der SPÖ, erklärte: "Anstatt von Seiten des zuständigen Kulturministers eine inhaltliche Strategie zu entwickeln, wie man zu einer besseren Abstimmung der Museen untereinander kommt und wie man die strategische Rolle des Bundes stärkt, wird ein neuer Posten und eine Struktur geschaffen, die noch dazu in keiner Variante des Weißbuches vorgesehen war." Auch Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Liste Jetzt, tadelt: "Eine grundlegende Reform besteht nicht darin, einen gut dotierten Job zu erfinden."