Anfeindungen und Angriffe mehrten sich. "Vorsorglich" kündigt die Landesregierung zum 31. März 1925 die Arbeitsverträge von Gropius und den Lehrern, den "Bauhaus-Meistern". Der Schuletat wird halbiert. Gropius erklärt das Bauhaus in Weimar ab 1. April 1925 für aufgelöst. Wegen der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse geschieht gleiches 1930 in Dessau und 1933 in Berlin.

Wesentlicher Ort der NS-Zeit

Kommt man am Weimarer Bahnhof an, versteht man sofort: Weimar war nicht nur die Stadt der Kultur, die Stadt von Goethe, Schiller, Liszt und vielen mehr. Weimar war ein wesentlicher Ort der NS-Zeit. Übergroße Bilder auf den Straßen zeugen davon. Zu sehen ist jeweils ein anderer Holocaust-Überlebender, darunter Petro Mischtuk aus der Ukraine, Alojzy Maciak aus Polen und Gilberto Salmoni aus Italien. Sie alle überlebten das wenige Kilometer entfernte KZ Buchenwald.

In Weimar fand 1926 der erste Reichsparteitag der NSDAP nach deren Neugründung statt. Hier wurde aus der "Großdeutschen Jugendbewegung" die "HJ". Zwischen 1936 und 1943 entstand im Zentrum eines der größten innerstädtischen Bauensembles des Nationalsozialismus, das einzige in weiten Teilen fertiggebaute "Gauforum" Deutschlands. Beim Bau wurden KZ-Häftlinge eingesetzt.

In unmittelbarer Nähe öffnet nun das neue "Bauhaus-Museum" als Teil des Konzepts "Quartier der Moderne in Weimar": In den Südflügel des NS-Komplexes wird das "Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus" einziehen. Im 1869 eröffneten "Großherzoglichen Museum", dem heutigen "Neues Museum", wird die Entwicklung der Moderne vor der Gründung des Bauhauses gezeigt - Schmankerl: sechs Totenmasken von Friedrich Nietzsche. Das neue Bauhaus-Museum - ein "wahnsinnig monolithischer Körper", wie Architektin Heike Hanada sagt, geht thematisch an die Bauhaus-Bewegung heran. Es geht um Mensch und Gesellschaft, um das Experimentieren, die Werkstätten, die Theaterklassen. Im dritten Stock bietet ein Fenster den Blick auf das Mahnmal des KZs Buchenwald.

In das bisherige Bauhaus-Museum auf dem Theaterplatz soll das "Haus der Weimarer Republik" ziehen. Direkt gegenüber, ebenso vor 100 Jahren, wurde im Nationaltheater die erste demokratische Verfassung Deutschlands verabschiedet. Davor stehen Goethe und Schiller und blicken erhaben in die Welt. Von der linken Seite ziehen Studierende der Bauhaus-Uni heran. Es wird für eine Performance geprobt: "Das Bauhaus lebt!"