- © Stadtmuseum Nordico/Norbert Artner
© Stadtmuseum Nordico/Norbert Artner

Linz. Eine dunkel vertäfelte Schank mit Kühlschränken und einer schweren Registrierkasse, Email-Schilder mit "Linzer Bier" und "Schartner Bombe", ein Resopal-Stammtisch mit Maggi-Menage, Bierdeckeln und schmiedeeisernem Luster darüber: Das Wirtshausidyll ist perfekt. Was allerdings fehlt, ist die rauchschwangere Luft und der Geruch von Schnitzelfett und gerösteten Zwiebeln aus der Küche. Aber schließlich sind wir hier im Museum, und die mehr als authentische Wirtshausstube ist einer von fünf Ausstellungsräumen, eine Ansammlung von Fundstücken und Leihgaben aus aufgelassenen Gasthäusern.

Besucher können sich hier aber - ohne Bewirtung - trotzdem an den Tisch setzen, über Politik fachsimpeln oder das Wirtshaussterben betrauern. Die meisten der in der Ausstellung "Prost Mahlzeit" vorgestellten Linzer Wirtshauslegenden sind schließlich Geschichte. Trotzdem soll die Ausstellung nicht das Wirtshaussterben beweinen, sondern das Wirtshaus in seiner aktuellen Transformation beleuchten, erklärt Nordico-Leiterin Andrea Bina. "Alle zittern mit, wenn das Wirtshaus ums Eck zusperrt." Gleichzeitig entstehen neue zeitgemäße Interpretationen des Wirtshauses.

Das Wirtshaus bewegt und lässt kaum jemanden kalt. Oft begleiteten Wirtshäuser das ganze Leben, von der Tauffeier bis zur Totenzehrung und dazwischen als Ort für Feste, Sonntagsessen, Stammtischdiskussionen, Vereinssitzungen. Und so befällt einen in dieser Ausstellung immer wieder eine Welle der Nostalgie.

Die vielen Schwarz-Weiß-Fotos längst geschlossener Wirtshäuser wecken Erinnerungen und machen deutlich, wie schnell sich das Stadtbild ändert und einstige Institutionen vergessen sind. Die rot-weiß-karierten Tischdecken neben Klappsesseln und Baumbankerl im Linzer Zimmer im Erdgeschoß lassen an Ausflugsgasthäuser denken - nur der Kiesboden fehlt. Gegenstände, die noch vor wenigen Jahren Alltag waren, werden bestaunt: Automaten für Zigaretten, Kondome oder Handtücher, Kofferpickerl, Brezenständer. Auch der Rauchdunst ist in vielen Wirtshäusern Geschichte: Als Reminiszenz kann man im Nordico an einem Sakko schnüffeln, das für einige Wochen im Raucherteil des Klosterhofs gehangen ist.

400 Ausstellungsstücke

Sogar eine Retro-Toilette ist zur Besichtigung eingebaut worden. Die Ausstellung erzählt die Geschichten der zahlreichen Linzer Wirtshäuser vom Goldenen Schiff bis zum Schwarzen Adler, der Menschen, die hier arbeiten und jener, die mit ihnen verbunden sind. Wie die wechselvolle Geschichte von Friedrich Hahn, der von Linz aus mit Grillhendln zunächst das Wienerwald-Imperium aufbaute, von dem in Linz nur noch ein Lokal am Freinberg blieb. Rund 400 Ausstellungsstücke vom Wirtshaussessel über den Bierwärmer bis zur Zuckerwürfelpackung gibt es noch bis 1. September im Nordico zu sehen, nahezu die Hälfte stammt von der Linzer Bevölkerung, die aufgerufen wurde, alte Fundstücke beizutragen.

Auch das Vermittlungsprogramm der kommenden Monate ist interaktiv: Auf einem "Wirtshausziaga" werden verschwundene und bestehende Gasthäuser erkundet, für das Sommerfest im Juli wird der Museumsvorplatz zum Gastgarten und der Mühlviertler Koch Georg Friedl hält gastrosophische Wirtshausabende ab. Mahlzeit!