Ein ganzer Raum ist dieser "Amour Fou" von seiner Seite gewidmet, der Schmerz inspirierte ihn enorm, statt Liebesbriefen erhielt Alma gemalte Fächer von ihm. Sein Trauma über abgetriebene Kinder und Zurückweisung zugunsten einer Heirat mit Bauhausmeister Walter Gropius mündete in seine freiwillige Kriegserfahrung samt Verwundung, schließlich verließ er Wien Richtung Berlin, wo er für Herwarth Walden und "Der Sturm" arbeitete. Dann kam Dresden, wo er Professor wurde, und Prag, wo er seine Ehefrau Olda traf. So kamen nach den Jahren überreizter Nerven samt Einfluss durch Sigmund Freunds Abhandlungen über die Sexualtheorie der Erfolg und im Londoner Exil nach 1938 die Forschungen von Sir Arthur Evans zu Kreta als "Frauenreich". Sie bestätigten Antikensammler Kokoschkas Interesse am altägyptischen und mykenischen Figurenstil - Fritz Blakolmer konnte dies 1999 mit der Gegenüberstellung der Goldmasken aus mykenischen Schachtgräbern zu Kokoschkas Porträts, etwa dem von Paul Scheerbart 1910, seitens der Archäologie beitragen.

Der politische Kokoschka

Wichtig ist auch der politische Mensch Kokoschka, der frühe Europäer und Friedensaktivist, der wie Picasso eindeutige Sympathien für den Kommunismus hatte. Doch mit seinem Wunsch, wichtige Porträts von Mahatma Gandhi über Winston Churchill bis Stalin zu malen, stieß er auf taube Ohren. Hingegen brachte er christliche Motive als Logos der Friedenskongresse nach 1945 ein. In Wien malte er Theodor Körner, in Deutschland Konrad Adenauer - das Bild hängt hinter dem Schreibtisch Angela Merkels und konnte mit der Begründung "Eigenbedarf" leider nicht für die Ausstellung geliehen werden. Als Gründer der Schule des Sehens in Salzburg kehrte Kokoschka auch zu den mit dem Nationalsozialisten verbündeten Kunsthändlern Wolfgang Gurlitt und Friedrich Welz zurück. Sein Verhältnis zu Österreich war ebenso ambivalent wie das Bild "Morgen und Abend" von 1966 mit verrätseltem Selbst als Trompeter.