Für seine Personale in der Kunsthalle Krems hat Hans Op de Beeck mit Kurator Florian Steininger alle Räume seiner exakten Choreografie unterzogen. Der belgische Künstler wird zwar meist als ein malender und Bühneninstallationen bauender Objektkünstler rezipiert, seine Filme und Aquarelle lassen aber die bekannten zementfarben monochromen Figuren, die vorerst wie Gipsabgüsse der Wirklichkeit erscheinen, viel besser verstehen.

So ist die ganze Säulenhalle in mehrere Kinosäle umgebaut, um "Staging Silence" von 2013, das nächtliche Punkdrama "The Thread" oder die poetische "Night Time", beide von 2015, in einem langen Kinonachmittag zu genießen. Für die Personale sollten einige Stunden einberechnet werden, denn sie behandelt vor allem Themen wie Zeit, Stillstand, unterstrichen durch besondere Lichtführung und Kameraeinstellung.

Zitate aus der Filmgeschichte

Ständig tauchen bei Op de Beeck déjà-vu-artig Erinnerungen an einzelne Ausschnitte der Filmgeschichte auf, aber auch an Kompositionen berühmter Gemälde der Kunstgeschichte. Dazu wird im Video "Staging Silence" eine kleine Bühne immer wieder durch große Hände verändert, Landschaften bewässert, Städte aus Zuckerwürfeln gebaut, und schließlich zerfällt alles in ruinöse Trümmer - dazu ein Soundtrack, der die bewegende Geste des Kreativen unterstreicht. So sehr auch Szenerien wie "Celebration" von 2008 an den 1960 in Spanien gedrehten, später verbotenen Film "Viridiana" von Luis Buñuel erinnern oder an die Magie in Andrej Tarkowskijs "Nostalghia", so sehr bleiben sie doch eigensinnige Parabeln auf Leben und Tod.

Alles beginnt im Oberlichtsaal mit der bannenden Stille der Installation "My Bed A Raft, The Room The Sea, And Then I Laughed Some Gloom In Me" von 2019, die vielleicht nur eine Anspielung ist auf die Ambivalenz unserer Träume. Ein junges Mädchen liegt in einem Bett, jenes steht auf einem Floß und schwimmt scheinbar auf einem kreisrunden Seerosenteich. Alles, bis auf die weißen Seerosen, ist eingetaucht in ein Grau in Grau. Die Materialien sind Kunstharze, Schaumstoff und Holz überzogen von der geheimnisvollen grauen Farbbeschichtung. Am Nachttisch neben Süßigkeiten und Wasserglas gibt es Tabletten und eine Taschenlampe; doch es geht nicht um Selbstmord oder Flucht, sondern nur um Traum, Schlaf und Nacht - drei Themen, die ständig in diesem Werk präsent sind. Präraffaeliten treffen auf Theodore Géricaults "Das Floß der Medusa" von 1819, doch das verbindende Wort ist Romantik. Einmal setzt er auch, dieser Epoche entsprechend, dunkelblau in seinem Film "The Girl" von 2017 ein.

Rational gesetzte Kunstechos

Die Romantik, der Surrealismus und sogar Antikenzitate wie die graue Asche über Pompeji und das Konservieren durch abdeckende Versteinerung sind sehr rational gesetzte Kunstechos - vor allem mit der großen Installation "The Cliff", die er extra für die zentrale Halle in Krems 2019 geschaffen hat. Erst beim Herumgehen um diese zehn Meter lange Meeresklippe ist das pubertäre Paar zu entdecken, das Hand in Hand an der Rückseite zwischen Warten und Erwartung sitzend verharrt. Das Mädchen blickt in die Ferne, der Junge ist auf sie konzentriert - alles Weitere bleibt ungewiss, Interpretationsoffenheit für die Betrachter. Zum bittersüßen Kitsch kommen Caspar David Friedrichs Küstenlandschaften vor Augen, doch der Künstler selbst bezeichnet die Klippe vor Journalisten als Paradies des schlechten Geschmacks.

So hallt auch für zwei Kästen mit dem Titel "Wunderkammer" oder die vergrößerten "Blackberries" die persönliche Erinnerung des Belgiers an seine Kindheit nach und somit wird seine Kunst ein fast therapeutischer Umgang mit Erhabenheit und Angst, die offenbar den Zauber dieser Phase mit der erreichten Zukunft im (grauen) Nebel innerer Reflexionen vermischt.