Neben seinen vielfältigen Aktivitäten als Hofkünstler von Ludovico Sforza in Mailand fand Leonardo noch Zeit, sich seinen künstlerischen Ambitionen zu widmen. Er erhielt den Auftrag, ein Altarbild zu malen - die sogenannte "Felsgrottenmadonna".

Leonardo da Vinci: Dame mit dem Hermelin. 1489/1490. - © Archiv
Leonardo da Vinci: Dame mit dem Hermelin. 1489/1490. - © Archiv

Das Bild zeigt die Gottesmutter zusammen mit den beiden Knaben Johannes und Christus und einem Engel vor einer Höhle. Der Hintergrund ist zweigeteilt: rechts erkennt man eine zerklüftete Felsformation, links eine im Dunst verschwimmende Berglandschaft. In Mailand erhielt Leonardo weitere Aufträge, die er - entgegen seiner früheren Saumseligkeit - vollendete. Es waren dies "Das Bildnis eines Musikers", "La Belle Ferronnière" und das "Porträt der Cecilia Gallerani", das als "Dame mit dem Hermelin" bekannt ist.

1495 begann Leonardo sein nächstes Projekt: das "Letzte Abendmahl", ein rund vierzig Quadratmeter großes Wandbild im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie. In dem Fresko setzte sich Leonardo über die Tradition hinweg, Judas abseits von den anderen Aposteln zu platzieren, um ihn als Verräter zu stigmatisieren.

Politische Ereignisse bewogen Leonardo, Mailand 1499 zu verlassen. Sein Schirmherr Ludovico Sforza wurde von den Franzosen vertrieben. 1503 kehrte er nach Florenz zurück - in die führende Kunstmetropole der Epoche. 1503 erhielt Leonardo den Auftrag, die "Schlacht von Anghiari" für ein monumentales Wandbild im großen Ratssaal des Palazzo Vecchio zu malen. Das andere Wandbild sollte Michelangelo gestalten. Die beiden waren Konkurrenten und konnten einander nicht ausstehen. Ihr Verhältnis war "von größtem Zorn und größter Verachtung", wie der Biograf Giorgio Vasari berichtet.

Maltechnische Probleme veranlassten Leonardo, die Arbeiten abzubrechen. 1503 begann Leonardo mit seinem wohl bekanntesten Bild - mit der "Mona Lisa", das zu der Ikone der Renaissancemalerei wurde, die im Louvre jährlich von mehr als sechs Millionen Menschen bewundert wird. Das Porträt zeigt Lisa del Giocondo - die Tochter eines wohlhabenden Seidenhändlers. Die auf einem Stuhl sitzende Frau wendet sich dem Betrachter mit einem geheimnisvollen Lächeln zu, das zu verschiedenen Interpretationen Anlass gab. Auf ihrem Haar liegt ein feiner, durchsichtiger Schleier, ihr Kleid fällt in schlichten Falten.

Unstetes Wanderleben

Der in Zürich tätige Historiker Bernd Roeck, Autor der Biografie "Leonardo. Der Mann, der alles wissen wollte", bezeichnet das Gemälde als "das berühmteste Kunstwerk der Welt, deswegen weil es zu den technisch vollkommensten Bildern zählt. Was fasziniert ist, dass ihm ein Bild gelingt, das keinen Pinselstrich erkennen lässt und die singuläre träumerische Wirkung erzielt."