Schon das zweite Objekt in Pawe Jaszczuks Bildband gewordener Sammlung von Kuriositäten schafft das Kunststück, einerseits einen Hauch von Blasphemie zu verströmen, andererseits zutiefst katholische Körperlichkeitsparanoia zu vermitteln: Es handelt sich um das Foto einer geöffneten Hose, die den Blick freigibt auf einen Slip, der mit den Worten "Jesus is watching" bedruckt ist.

Seit einigen Jahren sammelt der polnische Fotograf Skurrilitäten, die sich aus dem religiösen Kitschbilder-Katalog speisen. Er inszeniert sie so, dass nicht immer gleich klar ist, welche davon er in tatsächlichen Devotionalienshops - die in polnischen Kirchen wohl sehr verbreitet sind - gefunden hat und welche er im weiten Unglaublichkeitenmarkt des Internets aufgetrieben hat.

Jaszczuks Lieblingsobjekt, das das Projekt überhaupt erst in Gang gesetzt hat, ist definitiv nicht in einer Kirche erhältlich. Aber wie der eingangs erwähnte Slip kann das Taschenmesser in Kruzifix-Form mit einer erlesenen Doppeldeutigkeit aufwarten: "Der Schlüsselanhänger scheint erst einmal Jesu Botschaft zu verkünden, aber dann ist ein Messer im Kreuz versteckt." Aber solche Widersprüche finden sich oft bei den Kitschobjekten, etwa bei einem Jesus in typischer Messias-Segenspose, allerdings in Camouflage-Outfit mit Maschinengewehr.

Jesus als Produkt

Obwohl ihm das Unterhaltungspotenzial natürlich bewusst ist, haben Jaszczuks Fotos aber auch einen kritischen Hintergrund. Er lebte einige Jahre in Tokio und bei seiner Rückkehr nach Polen war er "schockiert" über die Einflussnahme der katholischen Kirche. "Wann immer ich die Nachrichten aufdrehe, hat die katholische Kirche zu irgendeinem Thema eine Meinung. Sie ist überall, in der Regierung, in den Schulen." Er weiß, dass er ein heikles Thema aufgreift, denn etwa ein Slip, auf den im Schritt eine Madonna aufgedruckt ist (im Internet gefunden, nicht in einer Kirche), kann durchaus auch Menschen beleidigen. "Ich möchte mit meinem Projekt nicht Religion angreifen oder Glauben: Jeder soll glauben, was er will, das geht mich gar nichts an. Ich befasse mich nur damit, wie die katholische Kirche aus den Bildern von Jesus und den Heiligen Produkte und Propagandaartikel gemacht hat."

Die Ikonografie wird freilich auch dankbar aufgegriffen und von völlig unkirchlichen Firmen zum Geldverdienen genutzt, etwa mit Marshmallows in Madonnenform oder temporären Dornenkronen-Tattoos. Auf die Frage, ob Jaszczuk es vorziehen würde, wenn sakrale Bilder wieder nur dem sakralen Bereich vorbehalten bleiben, zögert er. "Nein, diese Bilder sind Teil der Popkultur, es gibt wohl ein Bedürfnis danach."

In einschlägigen Medien liest man freilich, dass im Devotionalienhandel zuletzt der Kitsch schwächelt. Im Gadget-Bereich kann davon keine Rede sein. Das bizarrste Stück, das Jaszczuk aufgetrieben hat? "Eine Badeente in Form von Jesus. Das hat sogar mich überrascht, und mich überrascht nicht mehr vieles. Wie kommt man denn auf so eine Idee?"