Nach dem katastrophalen Erdbeben in Kathmandu 2015 planten der Direktor des Wiener Weltmuseums, Christian Schicklgruber, und das Nepal Art Council mit den Kuratorinnen Dina Bangdel und Swosti Rajbhandari Kayastha, in vier Jahren die Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Tibet. Seit 2008 ist das Land eine Demokratie, es gingen schon ab 1950 manche zum Kunststudium ins Ausland, etwa nach Paris. Die Kunstsprache Nepals ist daher heute international, selbst die traditionelle religiöse Malerei und Bildhauerkunst hat Zeitkolorit. Sie kommt aus dem Buddhismus, der alte Steinverehrung im Land überlagerte. Ab 1760, mit Einfluss Großbritanniens, vereinte ein nationaler Staatmehr als 100 Ethnien, von denen die Frauen der Maithil-Kultur Janakpurs seit den 1960er Jahren ihre reiche Götterwelt auf Hauswände und zum Gelderwerb auch auf Papier und Stoff malen. Es war ihre Überwindung des niedrigen Status als Frau und dem Außenseitertum ihrer Ethnie.

Moderne mit Mythen

Anhand der 130 Arbeiten lässt sich nachvollziehen, was der von Roland Robertson und Zygmunt Bauman im Westen eingeführte Begriff Glokalisierung für die kulturelle Identität hier bedeutet. Es wurden und werden Einflüsse aus der klassischen Moderne der "Westkunst" locker überlagert mit eigenen Mythen und Traditionen, aber auch mit subjektiver Aneignung wie in Manuj Babu Mishras Selbstbildnis mit Leonardos Mona Lisa, die in seine Ehefrau verwandelt ist.

Besonders ironisch die junge Position von Manish Harijan, die Andy Warhols Marilyn Monroe Zunge zeigend und mit drittem Auge zur Göttin Kali mutieren lässt wie die große Odaliske von Jean Dominique Ingres.

Pramila Giri ist unter den älteren Künstlerinnen mit ihren abstrakten Bronze- und Holzskulpturen die Pionierin einer eigenen feministischen Richtung, die besonders die jüngere Künstlerin Sheelasha Rajbhandari mit ihrer Installation "Agony oft he New Bed" aus der Serie "Marriage Taboos" engagiert fortsetzt. International bewegt sich die Konzeptkünstlerin Ashmina Ranjit, die ebenso die patriarchale Gesellschaftsstruktur und den schwierigen sozialen Dialog der Außenerfahrung thematisiert. Scheinbar westlich abstrakte Malerei von Lain Singh Bangdel oder Laxman Sherestha sind eigentlich Landschaften wie die Bergwelt des Himalayas.

Die Wunden, die in Nepal neben dem Erdbeben durch Urbanisierung, Umweltzerstörung und Tourismus Einzug hielten, natürlich auch die Spannungen zwischen Ost und West, werden nicht von allen so eindrücklich formuliert wie in den Skizzenbüchern Shashi Shas oder von Anil Shahi, die das aufgezwungene Lachen eines Clowns aus der hinduistischen Mythologie mit Muhammed Ali und anderen zu "Don’t Make Me Laugh" kombiniert. Mit "Paradise Lost" sind in den mahnenden Bildern Asha Dangols die Probleme Ökologie und Massenkonsum vereint, "Working Culture" von Erina Tamrakar stellt durch das dritte Auge der Frau deren Kräfteverhältnis von Innen nach Außen in den Vordergrund.

Weiters wir durch Filme und Videoinstallationen wie Mekh Limbus "Silent Portraits From Doha, Qatar" auf die Arbeitsmigration, Korruption, Gewalt und Lagerdasein von Menschen aus Nepal hingewiesen, Koshal Hamal nimmt Leitfiguren wie Malala, Mao, Ghandi oder die Venus von Willendorf auf und rahmt sie ein. Dazu kommt die weibliche Trias von Justitia, Königin Victoria und die Freiheitsstatue, eine Kombination, die einmal mehr die Konstruktionen symbolischer Gestalten vorführt, von wo immer und wem immer auf dieser Welt sie stammen.