New York. Das New Yorker Metropolitan Museum of Art auf der schicken Upper East Side von Manhattan, widmet sich mit der Ausstellung "Camp: Notes on Fashion" der Kunstfertigkeit und Übertreibung in der Mode. "Wir haben uns nie als 'Camp'" gesehen, lächelte der österreichische Museumsdirektor Max Hollein gestern vor versammelter Presse, "aber wir tun es jetzt". "Vielleicht ist sogar das Met selbst 'Camp'."

"Über Camp zu reden...", zitierte Hollein die amerikanische Publizistin Susan Sontag in seiner Rede, "...bedeutet, es zu verraten" - was wiederum bedeutet, dass wir die Dinge, die wir mit einer gewissen ironischen Distanz genießen, abschätzig beurteilen. Hollein betonte, "dass diese Ausstellung zeigen wird, dass die Ästhetik des 'Camp', üppig, verspielt und unverschämt wie sie ist, sowohl die hohe Kunst als auch die Populärkultur maßgeblich beeinflusst hat." Die von Andrew Bolton kuratierte Ausstellung werde weiteres mit mehr als 250 Objekten aus dem 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart "das herkömmliche Verständnis von Schönheit und Geschmack herausfordern", so der Direktor.

Tatsächlich tut sie das mit ihren rosaroten Galeriewänden, ihren Neonlichtern, moderner Kleidung von Designern wie Dior, Versace und Vivienne Westwood, und regenbogenfarbenen Schuhen, die Salvatore Ferragamo 1938 für Judy Garland entworfen hat. Die Federkleider, die sich in der beeindruckenden Modegalerie am Ende der Schau auf einer erhöhten Plattform drehen, werden durch Entenschnabel von Stephen Jones ergänzt.

Susan Sontag habe zu Lebzeiten das Museum oft besucht und sie hat in vielen Dingen "Camp" gesehen, so Hollein: In Tiffanylampen und in Gemälden von Caravaggio. Sie hat den Satz geprägt: "Es ist gut, weil es schrecklich ist". Ihr inzwischen ikonischer Essay "Notes on Camp" (1964), eine 58-Punkte-Abhandlung, die das Konzept salonfähig machte, liefert den Rahmen für die neue Ausstellung, in der untersucht wird, wie die Elemente Ironie, Humor, Parodie, Kunstfertigkeit, Theatralik und Übertreibung in der Mode zum Ausdruck kommen.


Sontag übernimmt in gewisser Weise die Rolle einer Erzählerin innerhalb der Schau, die in zwei Teile gegliedert ist. Im ersten Teil nimmt sie uns mit auf eine Reise, die am Hofe Ludwigs XIV. beginnt, wo Moliere 1671 das Wort "Camp" erstmals in "Les Fourberies de Scapin" verwendet - eine Originalkopie des Stücks wird in einer Glasvitrine mit einer winzigen Figur von Scapin gezeigt. In Versailles fand "Camp" seine ultimative Ausdrucksform in Ludwigs XIV. jüngerem Bruder Philippe, dem Herzog von Orleans. Ein lebensgroßes Porträt von Philippe, von Pierre Mignard, hängt neben dem berühmten Porträt Ludwigs XIV. von Hyacinthe Rigaud.