Pink und klaustrophobisch

Die zunächst pinken Ausstellungsräume spielen absichtlich mit Klischees und fühlen sich bewusst klaustrophobisch an, denn "Camp" war im viktorianischen England Teil einer geheimen Sprache unter Schwulen. Später erscheint - neben einem Gehrock aus Alessandro Micheles Frühjahrskollektion 2017 für Gucci - ein Porträt von Oscar Wilde, der zum Inbegriff des "Camp-Homosexuellen" wurde.

Während man durch diese Räume spaziert, läuft im Hintergrund "Somewhere over the Rainbow" von Judy Garland aus dem Musicalfilm "Der Zauberer von Oz". An einer späteren Stelle, in einem anderen Zimmer, hört man das bekannte Lied wieder, aber diesmal ist es eine Version, die die Schauspielerin kurz vor ihrem Suizid sang. Es fühlt sich ein wenig so an als würde man hier trippen.

Die Schau wurde gestern Abend auf der Met-Gala enthüllt, die zum 21. Mal von Anna Wintour, der Chefredakteurin der amerikanischen Vogue, geleitet wurde. Die Gala, gesponsert von Gucci und Condé Nast, ist in vielerlei Hinsicht die Apotheose des "Camp". Lady Gaga hielt Einzug in einem überbordenden, pinken Kleid mit einer acht Meter langen Schleppe. Billy Porter wurde in einem goldenen "Sonnengott"-Ensemble von einer Gruppe von hemdlosen Männern in goldenen Hosen auf einer Sänfte getragen. Dieses Spektakel findet jährlich statt, um Geld für die Modeabteilung des Museums, das Costume Institute, zu sammeln, was notwendig ist, weil es die einzige der kuratorischen Abteilungen ist, die sich selbst finanzieren muss. Mode wird bis heute als Kunstform in Frage gestellt.

Camp gleich Kitsch

Und so ist auch "Camp" ein kompliziertes Konzept geblieben. Was der eine als "Camp" bezeichnet, ist für den anderen schlicht Kitsch. Sontag selbst hatte 58 verschiedene Überlegungen, was es bedeuten könnte, und Andrew Bolton, der verantwortliche Kurator, hält alles, von Michelangelo bis Mick Jagger für "Camp".

Im zweiten Teil der Ausstellung geht es um die Gegenwart und Zukunft des "Camp" - wieder im Geiste von Sontag. Hier werden die Ideen des Schriftstellers Christopher Isherwood über das "hohe Camp" (high camp) und das "niedere Camp" (low camp) vorgestellt, und schließlich geht man in eine quadratische Galerie, in der einige der 58 Punkte von Sontags Aufsatz mit Elementen aus der Sammlung des Museums illustriert werden. Vielleicht hatte Max Hollein ja doch recht mit seiner Theorie, dass das Met, die Hochburg der hohen Kunst, schon immer irgendwie auch "Camp" war. (apa, dpa)