"Verbotene Früchte", eine Arbeit Renate Bertlmanns von 1992. - © Wien Museum/MUSA
"Verbotene Früchte", eine Arbeit Renate Bertlmanns von 1992. - © Wien Museum/MUSA

Anlässlich der ersten Solopräsentation des Werks von Renate Bertlmann im österreichischen Pavillon in Venedig wird oft so getan, als wäre dort noch keine Künstlerin präsentiert worden. Nebenbei wird dann Maria Lassnig gerne als erste Kunstprofessorin bezeichnet. Tatsächlich gab es an der "Angewandten" (ehemalige Kunstgewerbeschule) seit ihrer Gründung immer Professorinnen, allerdings bekam Lassnig die erste für das vorher rein männliche besetzte Fach Malerei und Bertlmann ist definitiv die erste Künstlerin, die dank ihrer Kuratorin Felicitas Thun-Hohenstein, den Pavillon alleine gestaltet. Doch schon 1954 gab es in Venedig eine Gruppenschau, in der neben siebzehn Männern Werke von Maria Biljan-Bilger und Johanna Schidlo zu sehen waren, später wurde Valie Export nach ihrem Biennalebeitrag sogar selbst Kommissärin.

Sogenannte Neuentdeckungen

Interessanterweise dauerte es bis in die vierte Welle des Feminismus, dass Bertlmanns Soloschau möglich wurde. Im einschlägigen Fachmagazin "Kunstforum international" wurde die feministische Kunst heute als Teil der Popkultur beschrieben. Künstlerinnen werden nun stark wahrgenommen und zuweilen als Neuentdeckungen präsentiert, doch selbst die verweigerte Resonanz hat eine lange Geschichte. Alles begann mit den Künstlerinnen der russischen Avantgarde, die zumindest mit ihrer Fotografie lange neben ihren männlichen Kollegen gleichwertig arbeiten konnten, das Bauhaus in Weimar war bei Weitem nicht so innovativ, die Professorinnen beschränkten sich dort auf handwerkliche Fächer wie Textilgestaltung. Avantgardegruppen waren also in unseren Breiten lange männlich. Nach 1945 setzten sich, trotz internationaler Ansprüche der neu begründeten Art Clubs, die "Männerschmieden" der klassischen Moderne weiter fort.

Erster Einblick in den österreichischen Pavillon. - © Sophie Thun
Erster Einblick in den österreichischen Pavillon. - © Sophie Thun

Maler, Bildhauer und Architekten hatten bis vor Kurzem den Alleinanspruch auf große Museumsausstellungen und Präsentation am Kunstmarkt, die Galerien meinten, sie könnten keine Kunst von Frauen verkaufen, was sich bis heute in den Preisen niederschlägt, und auch in allen anderen wichtigen Schaltstellen gab es lange keine Frauen. In Österreich gilt der Terminus "Männerschmiede" noch für die "Wiener Schule des Phantastischen Realismus", genauso wie für die informelle Malergruppe der Avantgardegalerie St. Stephan und nochmal ganz ausgeprägt für die vier männlichen Hauptprotagonisten des "Wiener Aktionismus".

Renate Bertlmann. - © Irina Gavrich
Renate Bertlmann. - © Irina Gavrich

Da man ihre Aktionen ab 1968 nicht als gleichwertig anerkannte, stellte VALIE EXPORT damals die Forderung, ihren Namen in Großbuchstaben zu schreiben, trotzdem wird ihre aktive Beteiligung an der skandalisierten Aktion "Kunst und Revolution" am NIG der Uni Wien als Beleuchterin bis heute selten erwähnt. Sie betätigte den Scheinwerfer durch häufiges Ein- und Ausschalten in künstlerischer Ambition einer Antikunst oder "Direct Art", so nannten die performativ auftretenden Künstler ihre neue Intention, nachdem sie die Malerei und das Bild, auch das Atelier, verlassen hatten. Sie nannten sich "Institut of Direct Art" bis Peter Weibel 1969 den heute geläufigen Begriff "Wiener Aktionismus" prägte.