Neue Medien

In Deutschland zeigte die berühmte Ausstellung "Westkunst" 1981 in Köln bereits, dass sich die Problematik der neuen Kunstentwicklung über das Aufgreifen neuer Medien durch die feministischen Aktionistinnen ausweitete: der "Kalte Krieg" hatte Europa auch in der Kunst in zwei Hälften gespalten - im Osten regierte der "sozialistische Realismus", im Westen die abstrakte Malerei, später Aktion, Installation und Konzeptkunst, diese Tendenzen kamen aus Amerika, nachdem Paris als westliche Kunsthauptstadt von New York abgelöst wurde, und sie waren wieder von Männern bestimmt. Auch in Japan waren nur wenige Künstlerinnen in der Gutaigruppe, die schon in den 1950er Jahren performativ auftrat. Die europäische Kunstszene feierte lieber Joseph Beuys als die Künstlerinnen, aber man vergaß daneben, bis auf Ausnahmekuratoren wie Harald Szeemann, ebenso lange die Kunst ganzer Kontinente, vor allem Afrika und Asien. Dabei hatte Jean Dubuffets "Art Brut" alle eingemeindet, auch die "Außenseiter", und so entbehrt es nicht an Ironie, dass Bruno Kreiskys Kunstministerin, Hertha Firnberg, 1975 (propagiert als "Jahr der Frau") eine Ausstellung über Künstlerinnen im Völkerkundemuseum veranstalten ließ, die Auswahl traf dabei natürlich eine männliche Jury. Dies löste die feministische Kunstrevolte in Wien endlich los.

Renate Bertlmann hat sich wie die in Amerika die erst im Alter gefeierte Bildhauerin Louise Bourgeois oder die Performerin Carolee Schneemann schon damals mit ihrem "subversiven Politprogramm" zu Wort gemeldet und war in der berühmten "Magna. Feminismus. Kunst und Kreativität"-Schau mit dabei, die Export als Reaktion auf Firnberg 1975 in der Galerie nächst St. Stephan veranstaltete.

Stilisierte Hoden

Tabuverstöße waren zwar Triebfeder der Moderne, damals wurde jedoch eine Arbeit Bertlmanns mit sehr stilisiert dargestellten männlichen Hoden abgelehnt, auch in ausländischen Museen kam es zur Ablehnung ihre bekannte Performance "Die schwangere Braut mit dem Klingelbeutel". Ihre Kritik am verlogenen Umgang mit Tabus wie Sexualität, Religion und Tod, wurde durch schwangere Bräute im Rollstuhl transportiert, integrierte Materialien aus Sexshops und inszenierte das "Szepter der patriarchalischen Gesellschaftsordnung" (Berthold Ecker) mit Flitter, Rüschen und Windelhosen zum Kindersoldaten oder Kardinal. Der Phallus kann auch Mumie oder "verbotene Frucht" in einem Obststillleben sein. Das reizt nicht alle zum Lachen, bis heute wird die Künstlerin anonym bedroht.

Subversive Ironie wie ihre kämpft gegen kalte Pornografie. Letztere dem Kitsch anzunähern, stellte jedoch die Reinheitsgebote der Kunstelite in Frage. Böser Frauenwitz entsprach nicht dem ernsten Habitus der Kunstszene. Erst nach Gabriele Schors Personale in der Sammlung Verbund vor drei Jahren wollten alle Bertlmanns Werke, auf den österreichischen Staatspreis folgte eine Teilnahme in einer Schau der Tate Modern und jetzt also Venedig.