Alter Rahmen, alter Sessel, neue Malerei - und zeitloses Gold: "Die Einheit der Zeit" von Rudolf Leitner-Gründberg. - © Leitner-Gründberg
Alter Rahmen, alter Sessel, neue Malerei - und zeitloses Gold: "Die Einheit der Zeit" von Rudolf Leitner-Gründberg. - © Leitner-Gründberg

Sie sehen Licht am Ende des Tages

(cai) Wie war das doch geschwind mit dem Da-Vinci-Code? Irgendwas mit Maria Magdalena und Jesus und schwanger, und Leonardo da Vincis Abendmahlsfresko wäre der Beweis. Über die "Urban Codes" jedenfalls wird der Dan Brown jetzt aber wohl keinen Thriller voller Verschwörungstheorien und Anagramme schreiben, der später einmal mit Tom Hanks verfilmt werden wird. Selbst wenn "Urban" für den Kreuzzugspapst stünde.

He, "Urban Codes" ist ein Anagramm für "absurd cone" (absurder Kegel), "abused corn" (missbrauchter Mais) oder "nude cobras" (nackte Kobras). Sehr mysteriös. Trotzdem wurscht. Denn eigentlich gibt’s eh keine Rätsel zu lösen. Hubert Blanz hat im nächtlichen Chicago die binären Botschaften der Lichtschalter empfangen. (Licht an: Da wird gearbeitet, Licht aus: Da nicht.) Also aus der Fußgängerperspektive die Fenster der Bürotürme fotografiert. Und dann zu opulenten "Lichtdiagrammen" zusammenmontiert. Nach Lichtfarbe sortiert. Nachtarbeit (auch seine eigene), in stimmungsvolle abstrakte Kunst übersetzt. In ausufernde, überwältigend dichte Raster. In der Nacht hört der Tag nicht auf. "TwentyFourSeven" eben. (Titel der Ausstellung in der Galerie Reinthaler.) 24 Stunden, sieben Tage die Woche hackeln.

Immobilien heißen übrigens so, weil sie sich in der Regel nicht bewegen. Hier wogen die Fassaden auf und ab. Ruhelose Oberflächen, auf denen das künstliche Licht dahintreibt. Orientierungslos. ("Ein Oben und Unten gibt’s bei mir nicht.") Streng wie ein Mondrian (oder ein Bücherregal) ist nur die Public Library. Und das Video? Animierte Handyfotos von weißen Baugerüstplanen, die nun in beschaulichen Wellen über den Monitor kriechen, bis man in Trance ist. Der Soundtrack: Bettdecken werden aufgeschüttelt. (Raus aus den Federn! An die Arbeit!)

Über Gold und die Welt

(cai) Am Anfang gleich ein Geständnis. Oder eher eine Beichte: "Also, ich bin ein Todsünder. Ich bekenne mich zu dieser Todsünde." Zu welcher von den sieben? Hochmut, Neid, Völlerei, Habgier, Wollust, Zorn oder Faulheit? Zur achten. Gold. (Gehört das nicht zur Habgier?) In einer Kunstzeitschrift hat er nämlich gelesen, das wäre die Todsünde der Moderne. Und der Rudolf Leitner-Gründberg hat definitiv ein goldenes Händchen wie . . . Gustav Klimt? Ja, und wie der König Midas sowieso. (Der freilich nicht sonderlich "modern" gewesen ist.) Was Letzterer angegriffen hat, hat bekanntlich keiner mehr essen können. (Nicht, dass man das vorher immer tun hätte können.) Alles, was er in die Finger gekriegt hat, hat er vergoldet. Allerdings durch bloßes Berühren, nicht mit Blattgold.

Im Artemons Contemporary ist jedenfalls alles Gold, was glänzt. Und das strahlt nicht einfach feierlich und in andere, spirituelle Sphären entrückt vor sich hin, das beteiligt sich intensiv am Geschehen. Ringt leidenschaftlich und kraftvoll mit einem Rot, einem Gelb, einem Weiß. Verschwenderisch wird es verwendet, sinnlich und malerisch. Wie "normale" Farbe. Leitner-Gründberg: "Ohne jeden Kompromiss, was es kostet. Es ist sehr teuer und sobald es auf dem Bild ist, nichts wert." Und der Rahmen? (Oft üppig und alt.) Ist nicht außerhalb des Gemäldes, er ist ein Teil davon. Einmal färbt das abstrakte Bild quasi auf den leeren Sessel davor ab. (Leer? Auf dem sitzt die Vergangenheit, das 19. Jahrhundert!) Und versöhnt sich mit der Welt der Gegenstände. Ungeniert und lustvoll werden hier überall Grenzen übersprungen.

Humor hat der Maler auch. "Eine Tat und ihr ewiger Ruhm": In einem Akt der Selbstironie macht er mit einem ausgedienten Besen einen energischen weißen Pinselstrich und befestigt das Malwerkzeug, nachdem es seine Farbe ausgehaucht hat, auf der Leinwand, wo es jetzt in Frieden in der Kunst ruht. Setzt der heroischen Geste ein Denkmal. Im ersten Moment bloß witzig. Aber wenn man länger darüber nachdenkt . . . - hinterfotzig und geistreich.