Josef Hoffmann nannte ihn den "letzten Romantiker" und bewunderte diesen künstlerischen Kopf voller exzentrischer Botanik: Friedrich von Berzeviczy-Pallavicini (1909-1989) stand in Wien der Kunstgewerbeschule und der ehemaligen Hofzuckerbäckerei Demel nahe und war ein Designer zwischen Wien, Mailand und New York. Integriert in die Schau "Der Hausfreund", die ihm die neue Leiterin des Archivs der Universität für angewandte Kunst, Cosima Rainer, mit Robert Müller im Kuratorenteam widmet, geht es aber auch um eine außergewöhnliche Persönlichkeit, deren Memoirenmanuskript leider verschollen ist.

Seine Bilder, Möbel, Stoffe, Vasen und anderen Objekte werden zum einen wichtigen Lehrern und Kollegen der Kunstgewerbeschule von Eduard Wimmer-Wisgrill über Josef Frank oder Dagobert Peche bis My Ullmann und Elisabeth Karlinsky gegenübergestellt, zum anderen wird seine Aktualität durch junge Positionen wie Julian Göthe, Amelie von Wulffen oder Min Yoon unterstrichen.

1926 hatte sich der ungarische Adelige nach Matura am Theresianum für ein Textil- und Modestudium eingeschrieben. Wimmer-Wisgrill wurde sein Mentor, Förderer und Partner, so lebte er mit ihm bis 1933 und in schlechten Zeiten an der Schule, entwarf aber bald erfolgreich Zimmereinrichtungen, die zum 60-Jahr-Jubiläum der späteren Kunstuniversität, aber auch 1937 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt wurden. Er war erfolgreich mit Stoffentwürfen, Magazingestaltungen, Bühnenbild und Kostüm sowie in einer Kooperation mit Augarten-Porzellan. Amelie von Wulffen hat mit Nico Ihlein eine muschelbesetzte Vase geschaffen, aber auch Dagobert Peches Deckeldose in Weiß ist jener von Pallavicini in Blau und Gold vergleichbar.

Da er Teile seines Werks dem Archiv vermacht hat, ist auch "Das Boudoir der Dame" von 1937 nahezu rekonstruierbar und zeigt einen exzentrischen Stil zwischen strenger Formensprache der Wiener Moderne und floraler Verspieltheit. Der Vergleich seiner Stoffe mit Josef Frank ist durchaus angebracht, in beider Botanik verstecken sich Tiere, die spielerische Ornamentik geht aber später ab 1949 in New York stark in Richtung einer Antimoderne, wie sie dort Florentine Stettheimer, aber auch der Jungdesigner Andy Warhol vertraten. Pallavicini kannte Warhol und die ganze New Yorker High Society ab 1949, da ihn Fleur Cowles für die Magazingestaltung von "Look" aus Mailand bestellte, später war er Art-Director bei Elisabeth Arden und Helena Rubinstein; die Silberfolie der "Factory" Warhols gibt es auch in seinen Gestaltungen. Als Vertreter des "Camp", der kitschige Süße erlaubt, verbindet er spezielle Farbigkeit und Materialien und in Zeichnungen die Skurrilität eines Fritz von Herzmanovsky-Orlando.

Ein Auslagen-Regisseur

Die größten Werke sind Entwürfe für Gobelins, die Pallavicini für Oskar Strnad auch 1937 für die Weltausstellung in Tempera auf Papier malte - vor allem "Die vier Jahreszeiten" wirken dabei wie ein Mittler zwischen Jugendstil und Phantastischem Realismus. Eine Heirat mit Klára Demel konnte Pallavicini 1938 zwar nicht schützen, er erbte aber 1956, nach dem Tod seiner Frau und teilweiser Rückkehr aus seinen Exilstädten Mailand und New York, das Demel und begann als Geschäftsführer die Auslagen nicht nur zu dekorieren wie schon zuvor New Yorker Läden, sondern regelrecht zu inszenieren wie kleine Bühnen aus Papier, Stoff und Kuchen. Seine Tüchtigkeit als Designer, auch im Krieg für den italienischen Architekten Gio Ponti und dessen Architekturzeitschrift "Domus", setzte sich in New York fort, sogar Hollywood klopfte an für Kostüme.

Weniger tüchtig war er in Wien mit dem Demel, daher musste er 1972 verkaufen, war über seinen Nachfolger Udo Proksch entsetzt und verließ Wien. Die Schau konfrontiert einige Bilder; neben verrückten Designobjekten (wie auch mit Pailletten bedeckten Katzen) gibt es aktuelle Malerei, Objektkunst und Videos zu sehen.