Wien. Herzog Rudolf IV. hat für die Dauer des Umbaus des Wien Museums eine neue Bleibe gefunden. Seine Skulptur sowie die Statuen seiner Gattin, seiner Eltern und Schwiegereltern, die einst an der Fassade des Stephansdoms angebracht waren, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Städtischen Museum übertragen und am Dom durch Kopien ersetzt wurden, sind ab sofort als Leihgaben im Unteren Belvedere zu sehen.

Die Sonderausstellung "Wiener Fürstenfiguren. Gotische Meisterwerke des Stephansdoms" ergänzt bis zur Wiedereröffnung des Wien Museums das im Prunkstall des Unteren Belvedere untergebrachte (und seit heuer ganztägig zugängliche) Schaudepot der Mittelalter-Sammlung des Belvedere. "Diese sechs Bildstatuen zählen kulturhistorisch und künstlerisch zu den bedeutendsten Werken, die in Österreich aus dem 14. Jahrhundert erhalten sind", begeisterte sich Kuratorin Veronika Pirker-Aurenhammer bei der Pressekonferenz am Dienstag. Erhalten sind sie im heutigen Zustand wohl nur, weil sie im Zuge der ersten großen Restaurierung des Stephansdoms in den Jahren 1858 und 1870/71 unter Dach gebracht wurden. Besonders die Statuen des Herrscherpaares Rudolf IV. (1339-1365) und Katharina von Böhmen, die an der Westfassade besonders dem Wetter ausgesetzt waren, tragen deutliche Verwitterungsspuren. Die sie in der jetzigen Präsentation flankierenden Elternpaare Herzog Albrecht II. und Johanna von Pfirt sowie Kaiser Karl IV. und Blanche de Valois, die südlich am hohen Turm aufgestellt waren, sind deutlich besser erhalten.


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Wiener Fürstenfiguren
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Produkt der Herzogswerkstatt

Dennoch könne man gut sehen, dass wohl für jedes der drei Paare ein anderer Steinmetz am Werke gewesen sei. "Die Statuen entstammen der sogenannten Herzogswerkstatt, die einen wesentlichen Innovationsschub in die österreichische Skulptur gebracht hat", erklärte Pirker-Aurenhammer. "Diese Form der bildnishaften Darstellung hat es zuvor nicht gegeben." Eine genauere Dokumentation über Auftrag und Ausführende habe sie aber nicht erhalten. "Wir können nicht sagen, wofür die Figuren ursprünglich gedient haben. Nur ihre jahrhundertelange Aufstellung an der Fassade ist gesichert."

Entstanden sind die sechs Fürstenfiguren, die zur Symbolisierung von Macht und Standfestigkeit jeweils auf einem Löwen stehen, wohl zwischen 1359 bis 1365, als Herzog Rudolf IV. ("der Stifter") den gotischen Erweiterungsbau von Sankt Stephan in Auftrag gab, im Zuge dessen das Langhaus, der Südturm und die beiden Westkapellen entstanden. "Sankt Stephan war damals ein Rohbau, eine Großbaustelle", umriss die Kuratorin die Situation. Nicht nur der Hang des Herrschers zur Selbstdarstellung, der gleich mehrfach für seine skulpturale Verewigung im Dom sorgte, auch die gleichberechtigte Darstellung von Frauen und Männern im Figurenensemble sei bemerkenswert. (apa)