Eine Malerin mit Wolle und anderen Materialien wie Keramik und Leder ist die in Frankreich 1969 geborene Caroline Achaintre, der Stella Rollig als Kuratorin eine erste Personale in Österreich im Belvedere 21 widmet. Achaintre zählt zu jenen Künstlerinnen, die seit einigen Jahren mit dem Aufschwung der feministisch-queeren Kunst wieder angesagt sind. Der Umgang mit ihren Materialien ist so ungewöhnlich wie die Inhalte, die aktuell für eine ganze Künstlergeneration wieder von Bedeutung sind: eine Mischung aus Elementen des Unheimlichen im Alltag mit präkolumbianischer, genauer der Valdiva-Kultur aus der Provinz Esmeralda nördlich von Ecuador. Mit letzterer ist die fragliche Präsenz ethnologischer Objekte in westlichen Museen angesprochen - die postkoloniale Note der in London lebenden Künstlerin ist allerdings erst in einer zweiten Ebene erfahrbar.

Unheimliches im Alltag

Was beim Eintritt als zweiteilige Schlangenhaut an das Aussterben der Arten gemahnt, ist real eine glasierte Keramik mit ein wenig Augentäuschung, die Schuppen eines Tieres oder Spuren eines Autoreifens nachahmt. Zudem ist die Auswahl der 16 Werke extra für die Installation in dem niedrigen Kellerraum des 21er Hauses in Gruppen passiert und einige extra dafür geschaffen. Geteilt ergibt sich der Zwischenraum mancher Keramikteile als eine Art Mund, andere, einfachere Objekte, haben mit Sehschlitzen ähnliche Öffnungen. Aber das Maskenhafte korrespondiert auch immer mit Abstraktheit, die typisch ist für jene valdivianische Skulptur. Achaintre hat sie ebenso in die Wandteppiche übertragen und in eine Reihe von Aquarellen, die maskenhafte Erscheinungen im Wassernebel versinken lassen.

Sie hat sich um die Situierung jedes Werks im Raum Gedanken gemacht, die Fensterfront in den abgesenkten Vorhof offengelassen, jedoch schräge Wände eingezogen und ein futuristisch anmutendes Podest einbauen lassen, das die niedrige Decke und die Reihengliederung der Neonröhren unterbricht. Zur Mischung von Unheimlichem im Alltag, dem Sigmund Freud sein Augenmerk widmete, kommt die Maske und die Visionen der in den Weltraum abgehobenen Space-Art der späten 1960er Jahre. Denn der niedrige Raum erinnert Achaintre an Raumschiffe in Science-Fiction-Filmen wie "Mars Attacks!".

Hier mischt sich die Unheimlichkeit des Zotteligen ihrer Teppiche mit ein, die als große Perchten erscheinen, manches Gesicht verschwimmt psychedelisch und verunsichert zusätzlich. Ein anderes hat Löcher statt Augen zum Durchgreifen mit den Händen, die äußeren Ränder sind nicht auf ein Rechteck getrimmt. Hergestellt sind die speziellen Tapisserien in der auch aus den 1970er Jahren stammenden Technik des Tuftens, bei der Mohairwollfäden mit einer Art Pistole durch den Stoff geschossen werden. Eine körperlich aufwendige Tätigkeit, die hängende Partien neben normal hohem Teppichflor zulässt und Reliefcharakter einbringt.

Diese Objekte wirken durch die gewollte Nachlässigkeit im Aussehen älter, als sie tatsächlich sind - aus der persönlichen Ikonografie ergibt sich auch der Titel: Dauerwelle. Ein doppeltes Verwirrspiel, weil die Friseurtechnik genauso angesprochen wird wie das englische "permanent Wave" mit Verweis auf eine ständige Veränderung, der Kunst und ihre Präsentation im Museum ausgesetzt sind. Das Sprachspiel der Titel, eigene Schrift und Verweise auf Primitivismus, Expressionismus, Arts-and-Crafts-Bewegung und die Nischen der Jugendkultur der letzten Jahrzehnte tilgen aber letztlich nicht die wenig beweglich wirkende Erscheinung. Vielleicht sind Themen und Techniken, Mischungen in Form und Inhalt, zu komplex, um die Objekte aus der absichtlichen Erscheinung der Verfilzung einer schlechten Dauerwelle - also dem bewusst Linkischen - zu dem zurück zu wandeln, was es eigentlich sein sollte: Gegenwartskunst mit Relevanz.