Es gab schon öfter Politiker mit schlechtem Kunstgeschmack, doch solange dieser privat bleibt, ist nichts dagegen zu sagen. Die Aufregung um die Wahl des Malers Manfred Wiesinger, der sich mit seinem Coleurnamen Odin nennt, ist in vielerlei Hinsicht berechtigt, und sie kommt nicht, wie die FPÖ das gerne hinlenkt, aus "linken Lagern", sondern von vielen. Ein Ritter mit Holzschwert als "Verteidiger Europas" auf dem Cover des Magazins "Info Direkt" ist keine harmlose Huldigung des Mittelalters, sondern eine bewusste Provokation, mit alten Bildern neue radikale Inhalte zu transportieren. Viele Menschen, die einen Ritter nahe das Fantasy-Genre rücken oder als Illustration des Nibelungenliedes sehen, wissen nicht, wie sehr bestimmte Motive, aber auch Sagen und Mythen in der Kunst immer noch mit der Ikonografie und Ästhetik des Nationalsozialismus in perfidem Spiel verbunden werden. Vor allem im Netz kursieren diese Bilder unzensuriert, stoßen an Ränder der New-Age- und Gothic-Jugendkultur, die durch unsere Schulen und Universitäten viel zu wenig aufgeklärt wird.

Ritter, Rehe und Ruinen

Mit der Wahl von Odin Wiesinger in den oberösterreichischen Kulturbeirat wiederholt sich das alte Muster der Diffamierung moderner Kunst, das vor allem im Nationalsozialismus geschürt wurde, indem man dem Publikum suggerierte, Abstraktion und Expressionismus, einschließlich des Bauhauses, würde eine permanente Krisensituation des Menschen vorführen, die Künstler zeigten nur das Hässliche und das Kranke. So baute sich die Propagandaschau "Entartete Kunst" auf - immer mit Polarisierungen heimatlicher, scheinbar friedlicher Motive zu expressiv-exotischen Szenen, Kubismus und Dada wurden gleich als absolute Nichterkennbarkeit des Dargestellten abgetan. In der Malerei stand das realistische Historienbild wieder an der Spitze, gefolgt von Porträts in Uniform, aber auch Landschaften mit Bauern und Tieren, wobei Pferde, Adler und Rehe dominierten. Kriegsmaler hielten Ruinen mit Soldaten in einer Art stählernen Ruinenromantik fest, aber auch die arkadische Beschaulichkeit badender Frauen daheim gehörte in die angeblich so verständliche, rückwärtsgewandte Kunstsprache.

Wir sind heute wieder bei Polarisierungs-Konstrukten wie dem in der nationalsozialistischen Ära geschriebene Kultbuch "Verlust der Mitte", das 1948 nur notdürftig verbessert durch Hans Sedlmayr auf die Nachkriegszeit losgelassen wurde, auch darin sind die Argumente gegen die damals aus Amerika kommende aktionistische Malerei, auch den verbundenen "performative turn" die gleichen, wie sie von Wiesinger wieder verwendet werden: Es handle sich um hässliche und unverständliche Resultate. Gerade die Gegenwartskunst nach neuen Medien und Konzeptkunst schlagen sich aber neben postkolonialen Fragen, Umweltthemen und Kapitalismuskritik vor allem mit einem neuen Schönheitsbegriff seit Jahren herum, doch solche Tatsachen werden weggewischt, es geht nur um schnelle Zustimmung.