Kiew. Petro Poroschenko wurde aus bunter Cellophan-Folie und Konfekt-Verpackung zusammengeklebt. Auf der Stirn prangt ein kleiner Nikolaus, auf den Lippen blühen rote Mohnblumen, und immer wieder steht da das Wort "Rochen". So heißt die Schokoladenfabrik des ehemaligen ukrainischen Präsidenten, der mürrisch aus dem Bilderrahmen blickt. Im Hintergrund reihen sich silberne Patronenhülsen aneinander und ergeben das Muster einer Tafel Schokolade.

"Das Land befindet sich im Krieg und der Präsident in der Schokolade. So in etwa kann man das Bild verstehen", sagt Daria Marchenko. Die Collage hat sie gemeinsam mit dem Künstler Daniel Green entworfen. Er hat den Namen dafür ausgewählt: "Das Gesicht der Korruption." "Für mich war das okay. Immerhin war Daniel derjenige von uns, der blutüberströmt auf dem Maidan stand und seine Freunde verloren hat", sagt Marchenko.

20 Kilogramm Süßigkeiten

Die 37-jährige Künstlerin sitzt auf einem Hocker in ihrem Schlafzimmer, im zehnten Stock eines rotbraunen Kiewer Plattenbaus, in dessen Innenhof die Birken und Vergissmeinnicht wachsen. Eine Freundin schneidet ihre blonden Dreadlocks und dreht neue blaugraue Strähnen ein. Stundenlang dauert das. Stunden, die Marchenko in den vergangenen Wochen nicht hatte. Im März, kurz vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl, präsentierte Marchenko das Bild der Presse. Und seither folgte ein Termin auf den nächsten.

"Wir wollten zeigen, was für ein Präsident Poroschenko in unseren Augen war", sagt sie. 20 Kilogramm Süßigkeiten hat das Künstlerduo für die Collage verwendet. Der Nikolaus, die Mohnblumen und die Verpackungen stehen für die vielen leeren Versprechen Poroschenkos, mit der Korruption in den eigenen politischen Reihen aufzuräumen. "Nach der ersten Wahlrunde haben wir darauf gewartet, dass er etwas ändert. Aber es ist nichts geschehen."

In der Stichwahl am 21. April verlor Poroschenko haushoch gegen den Polit-Neuling und Schauspieler Wolodymyr Selenskyj, der am 20. Mai als sechster Präsidenten der Ukraine angelobt wurde. Selenskyj erhielt 73 Prozent der Stimmen, Poroschenko 24 Prozent. "Poroschenko hat einige Reformen durchgesetzt und die europäische Integration vorangetrieben. Aber sein Team hat auch am Krieg verdient." Ein ukrainisches Journalistenteam hatte darüber berichtet, dass ein Vertrauter von Poroschenko an der Einfuhr von Waffen aus Russland beteiligt war.

Patronenhülsen für Putin

Marchenko hat sich mit dem Bild nicht nur beliebt gemacht. "Manche meiner Freunde sprechen nicht mehr mit mir, weil sie glauben, dass Poroschenko der einzige Weg für die Ukraine ist." Mit diesen Freunden stand sie im Jahr 2004 auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz Maidan und startete die "Orange Revolution". "Wir waren von Anfang an dabei", erinnert sie sich. Poroschenko war damals Oppositionspolitiker im Parlament. "Er hat uns allen die Hand geschüttelt und gratuliert, dafür, dass wir für die Freiheit unseres Landes kämpfen." Die "Orange Revolution" verlief unblutig, erzählt Marchenko. Im Gegensatz zu den Protesten zehn Jahre später.