Was Ende 2013, Anfang 2014 am Kiewer Maidan passierte, hat die Ukraine verändert. "Sniper haben unsere Studenten umgebracht. Ich wollte alles dafür tun, dass sie aufhören", sagt Marchenko. Etwa 130 Menschen starben in den Maidan-Protesten. "Daniel kam eines Tages mit Patronenhülsen vom Maidan zurück. Er sagte: Gestern war ich mit meinen Freunden dort. Heute sind von ihnen nur noch diese Patronenhülsen übrig."

Mit ihrer Serie "Fünf Elemente des Krieges" sorgten Green und Marchenko im Jahr 2015 international für Aufsehen. Das Kernstück war eine 1,70 mal 2,40 Meter große Collage, die den russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigt und den Namen "Das Gesicht des Kriegs" hat. Etwa 5000 Patronenhülsen unterschiedlicher Kaliber haben die Künstler dafür verwendet. Die Hülsen stammen aus dem Osten des Landes, wo die Ukraine seit fünf Jahren gegen prorussische Separatisten Krieg führt.

In seinen Werken will das Künstlerduo historische Momente und Personen im passenden Material festhalten. "Wir zeigen das, was jeder sehen kann." Abhängig vom Lichteinfall verändert sich der Ausdruck auf Putins Gesicht: Manchmal sieht er ängstlich aus, manchmal stolz, manchmal böse. "Und manchmal wie ein Baby. Diese Ausdrücke stehen für seine Propaganda und für seine Lügen. Aber egal wie er schaut, er bleibt das Gesicht des Krieges", sagt Marchenko. "Und jede einzelne dieser Patronenhülsen steht für eines der Leben, das wir im Krieg verloren haben."

Ein Trump aus Poker-Chips

Auf die Veröffentlichung folgten Drohungen, die nicht nur per E-Mail verschickt wurden. "Manchmal kam ich nach Hause und das Bild stand woanders da, obwohl ich die Tür abgeschlossen habe. Dann war plötzlich der Scooter kaputt. Und dann erhielt ich eine Einladung für eine Ausstellung nach Malaysia, die eine Falle für mich hätte sein sollen." Deshalb nahmen sich die beiden Künstler eine Auszeit und reisten durch Amerika und Europa.

Immerhin: Darüber, dass Putin sich über die mehr als 4000 Berichte über das Kunstwerk geärgert hat, ist Marchenko sicher. Sie lächelt - nicht ohne Genugtuung. "Vielleicht hat er sich nicht mehr so alleine gefühlt, als wir Donald Trump fertiggestellt und veröffentlicht haben", sagt sie. Das Bild des US-Präsidenten aus dem Jahr 2007 besteht aus Penny-Münzen und Poker-Chips. Es hat den Titel: "Das Gesicht des Geldes".