Wie finster ist’s in einem Sockel?

(cai) Schwarze Löcher stellt man sich ja eher rund vor, aber ich hab jetzt sogar zwei davon live gesehen und die waren - viereckig.

Roman Ondak hat sie erzeugt. In (oder auf?) zwei alten Sockeln. Pro Sockel eines. Nun könnte man natürlich spekulieren, dass auf den Sockeln deshalb keine Skulpturen drauf sind, weil diese in besagtes unwiderstehliches Loch geplumpst sind. Schachfiguren? Größere würden jedenfalls nicht durchpassen. Das schwarze Loch ist nämlich in einem Schachbrettmuster gut getarnt, ein Kastl schwärzer als schwarz. Der Ereignishorizont. Oder eigentlich die Finsternis im Sockel-Inneren. Ondak, der mit Gefundenem arbeitet, mit gebrauchten Dingen, versteht sich eben auf die subtile Irritation. Und darauf, hinterfotzige Fallen einzubauen. Den Blick aufs Alltägliche, Gewohnte zu verändern (oder auf die Skulptur).

Den Keller der Galerie Janda lässt er auch nicht wirklich leer. Diskret versenkt er in den Wänden vier "Schälchen" (die bauchigen Teile von Suppenschöpfern), und die weisen in alle Himmelsrichtungen. Machen die den unterirdischen Raum weltoffen? Der Schöpfer aus dem sozialen Mikrokosmos namens Esstisch bekommt eine makrokosmische Dimension. In einem genial simplen Landschaftsbild, das in die Kreidezeit zurückführt, also in die Schulzeit (schwarze Tafel, auf der Ablage für die Kreide ist Letztere zu "Wüstensand" verrieben), wird er gar zum Himmelskörper. Mimt da . . . was, nicht den Mond? Doch vielleicht ist der Titel "The Sun" wieder ein Beispiel für Ondaks Humor.

Der Slowake spielt sichtlich gern. Und nicht bloß Schach. Mit allem, was man als Betrachter erwartet. Und mit Kategorien wie innen und außen, Raum und Zeit. Okay, wenn sich das Weltgeschehen in Form von Zeitungspapier zu Kugeln ballt, ist das schon ein bissl banal.

Staub ist ein Zeitzeuge

(cai) Rosen, Tulpen, Nelken, alle drei verwelken. Ja, eh. Beim Sandro Đukić allerdings nur die Tulpen. Die andern zwei lässt er halt einfach nicht mitspielen.

Alles ist eitel, nix währt ewig. Der kroatische New-Media-Künstler hat in einer verlassenen Wohnung in Zagreb klassische Vanitas-Stillleben inszeniert (üppig barock oder minimalistisch und geradezu mathematisch konstruiert). Und sie abgemalt. Mit dem Fotoapparat, nicht dem Pinsel. Malerische Fotos mit altmeisterlicher Atmosphäre. Das abgewohnte Interieur spielt seine Charakterrolle dabei äußerst authentisch. Überall geistert die Vergangenheit herum, haben sich die zu Staub zerfallenen Jahre abgelagert, und an den Wänden verblassen die Erinnerungen an die aufgehängten Bilder. Künstlich und unwirklich wirken da die sehr ästhetisch und präzise hineinkomponierten Arrangements. Etwa als hätten sich gemalte Früchte aus der Kunstgeschichte plötzlich auf einem Tisch materialisiert. Einmal setzt sich Đukić selber dazu und mit der eigenen Sterblichkeit auseinander. Den Tulpen fallen die Blütenblätter aus, ihm die Tschickstummel aus der Hand.

Im anderen Raum der Galerie Stock ist die dokumentierte Realität selbst schon surreal. Zeitreisende (Touristen) machen mit dem fröhlich bunten "Goli Express" einen Ausflug in die düstere Vergangenheit, zum einstigen Umerziehungslager für Staatsfeinde (euphemistisch auch "Titos Hawaii" genannt) auf der kroatischen Gefängnisinsel Goli otok ("nackte Insel"). In den verwüsteten Zellen entstehen dann aber intime Fotos von menschenleeren architektonischen Zeitzeugen. Eigentlich lauter sensible Porträts.