Vor allem im 19. Jahrhundert emanzipierten sich schon früh die Vorstudien von Gemälden zu eigenständigen Ölskizzen, zuweilen auf Papier, aber auch Karton, Holz und Leinwand. Es hängt nicht nur mit der Entdeckung des spontanen Arbeitens vor der Natur zusammen, das sich im 19. Jahrhundert etablierte und im Impressionismus zur wesentlichen Bedingung der malerischen Erfassung von Lichtstimmungen wurde. Aus England kam um 1800 die modern anmutende wissenschaftliche Beobachtung von Wetter und Klassifizierung von Wolken in Serien. Nach Luke Howard, William Turner sowie John Constable haben auch Caspar David Friedrich und Adalbert Stifter, der ja vor seiner Dichter-Karriere Maler gewesen war, diese spezielle Thematik übernommen.

Schnell gearbeitet

Kurator Rolf H. Johannsen beginnt seine konzentrierte Sichtung von etwa 50 meist aus dem Depot geholten Objekten mit den Wolkenstudien, diesem ersten freien Themenabschnitt folgt die reine Landschaft, angeregt auf Reisen der Künstler ans Meer, nach Paris und auch nach Ungarn wie bei August von Pettenkofen. Carl Moll, Rudolf Ribarz, Anton Romako, Emil Jakob Schindler und die Deutschen Johann Christian Dahl und Hans von Marées sind hier als Seh-Abenteuer (wie Johannsen sagt) zu untersuchen, aber auch unbekanntere wie Ernst Juch und Cecil van Haanen.

Zuletzt kehrt im Historismus die Figurenstudie wieder, wobei die Wolkenbögen hier den wiederkehrenden Allegorien und Göttern dienen. Wenige Exponate hängen in der permanenten Schausammlung, auch der kleine Abendhimmel Friedrichs oder die bekannten Ölskizzen von Tina Blau sind nicht immer zu sehen.

Blaus großes Gemälde "Frühling im Prater" von 1882 ist mit einigen anderen Beispielen als Vergleich dominant im zweiten Raum: Es zeigt, wie auch das rosa Feld mit Esparsetten bei Znaim von Theodor von Hörmann, dass Skizzen meist nicht signierte, reine Erfassungen des Wesentlichen sind, intim, fast abstrakt und von sehr persönlicher Pinselschrift. Bei Wilhelm Busch lässt sich in zwei Landschaftsskizzen nachvollziehen, dass auch diese Doppelbegabung einen enorm eigenwilligen Duktus hatte. Am ausgeführten Gemälde waren erzählerische, zuweilen moralische Aspekte mit einbezogen, bei Hörmann taucht ein Wegkreuz auf, das auf der Vorstudie nicht zu sehen ist, die Staffage, auch die Häuser sind davor, wenn vorhanden, nur sehr flüchtig eingestreut. Zuweilen meint man, vor einem Bergsee wie dem Joseph Brunners, tierische Ungeheuer zu entdecken.

Hinreißend spontan ist Hörmanns eigenständige Szenerie von Stehenden "Am Flussufer" von 1878. Während seines Paris-Aufenthalts malte er elf Jahre später, längst in größerem Format, "Paris bei Nacht mit Eiffelturm"; im Hintergrund sind die Lichtspiele und Scheinwerfer des neuen eisernen Wahrzeichens dokumentiert. Aber er graviert das Datum, die genaue Uhrzeit und seine Signatur noch genauso in die Malschicht ein wie Friedrich 1824 in seinen von einem Vulkanausbruch veränderten abendlichen Wolkenhimmel. Denn diese Skizzen waren nicht für den Verkauf gedacht, sie verblieben im Atelier, eine trägt die Widmung an die Mutter des Künstlers.

Dem Künstler nahe

Pettenkofen experimentierte auch mit Farbschicht und Auftrag, gravierte oben rechts in seine Skizze eines Schiffs in Venedig zum Datum: "Siccatif/Experiment" mit dem Pinselstil, wobei er den Einsatz von Bleiweiß zur schnelleren Trocknung versuchte, denn der Transport für das Freilichtmalen war mühsam, auch wenn es durch die Erfindung der Öltube leichter wurde und die Formate klein waren. Dabei löste sich zuweilen eine Farbschicht oder, wie bei einem Werk Tina Blaus, es wurde die pastose Schicht flach gedrückt. Dies nimmt man aber, wie die Wellung des Papiers, gerne in Kauf, da dem Künstler bei diesen Resultaten so nahe getreten werden kann wie sonst kaum. Selbst bei den Skizzen zu den Ausstattungen der Ringstraßenbauten ist die Andeutung dynamisch fliegender Akte voll Temperament - hier als Beispiel das Deckenbild im Kunsthistorischen Museum, das Hans Makart nur als Skizze hinterließ und nach seinem Tod 1884 Hans Canon fortsetzte und nach vielen Vorstudien ausführte: "Der Sieg des Lichts über die Finsternis".