Wien. 2019 ist eigentlich ein sehr gutes Jahr für die am Kunstmarkt immer schon präsente Olga Wisinger-Florian (1844 bis 1926). Denn kürzlich in "Stadt der Frauen" und derzeit in der Ausstellung über Ölskizzen im Belvedere zu sehen, bekommt sie nun nach 50 Jahren auch endlich wieder eine Personale im Leopold Museum. Ihre Kuratorin Marianne Hussl-Hörmann stellt ihre perfekte Selbstvermarktung mit Fotoserien, meist inszeniert in besonderer selbst entworfener Garderobe, neben ihre vielen bekannten, aber auch einige unbekannte Werke. Ringstraßenstar Viktor Tilgner fertigte eine Büste nach der Künstlerin an, auch diese zeigt fast männliche, durchsetzungsstarke Züge.

Neben Tina Blau und Marie Egner war Wisinger-Florian also die eigentliche Emanze in der ersten Phase des Feminismus, sie konnte sich nicht nur als Malerin durchsetzen, sie kam auf mehrere Weltausstellungen mit ihren Werken, sie wurde bei alljährlichen Künstlerhausausstellungen vom Kaiser beachtet, ihre Käuferklientel kam aus Adel und gehobenem Bürgertum. Vom Staat erhielt sie sogar eine Menge Orden und Auszeichnungen. Auch diese sind wie die vielen akribisch geführten Tagebücher der Künstlerin, durch die man über jedes Werk genau Bescheid weiß und die in späten Jahren Kolo Moser dekorierte, in mehreren Vitrinen zu sehen.

Die Blumenmalerei

Wisinger-Florian engagierte sich auch für die Friedensbewegung der Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Die wichtigste Ausbildung erhielt sie in frühen Jahren nach einer abgebrochenen Karriere als Konzertpianistin durch den Stimmungsimpressionisten Emil Jakob Schindler, der fast gleich alt war. Davor gab es mehrere Maler, die sie privat unterrichteten wie Melchior Fritsch. Doch Stimmung in der Landschaft war nicht ihre Sache. Sie konzentrierte sich bald auf das ihr wichtigste Motiv, das sie für sich entdeckte, die Blumenmalerei. Neben der Landschaft und einem kurzen Schwenk in die Genremalerei blieb sie zeitlebens dabei, auch in ihrem großen Spätwerk.

Egal ob Pfingstrosen oder Mohn, ob Almrausch oder Königskerzen, ihre teils großformatigen Gemälde konzentrieren sich immer wieder auf diese Spezialität, die sie wie kaum jemand beherrschte. In späten Jahren kamen noch die Allee und Wege in die Tiefe als Motive dazu; ein hoch angelegter Horizont lässt darin den Aufbruch in die Fläche und damit die Moderne bereits spüren - die geometrischen Kompositionen zeigen schließlich Affinitäten zum Jugendstil und aufkommenden Expressionismus. 1874 hatte die Künstlerin den Apotheker Franz Wisinger geheiratet, ihr einziger Sohn wurde 1875 geboren, doch auch das Privatleben hielt sie nicht von weiterem Unterricht und auch Reisen nach Duino, Venedig, Goisern und Tschechien ab.

Misthaufen mit Hühnern

1885 traf sie Bertha von Suttner, 1886 sprach der Kaiser mit ihr über das Gemälde "Kohlfeld", eine monumentale Ansicht einer Gruppe von Krautköpfen. Eine weitere Vorliebe war für eine kurze Phase das Malen der Jahreszeiten in zwölf Monatsbildern (davon sind sechs zu sehen) und eine besondere Affinität zu Schneebildern. In den angelegten Schatten einer "Schmiede am Bisamberg" kann man schon 1894 die Kenntnis der Licht- und Schattenideale der französischen Impressionisten sehen, es ist aber sicher Hussl-Hörmann zu folgen, sie durch ihren besonderen Umgang mit der Farbe als Proto-Expressionistin zu bezeichnen, was auch ihrem Temperament mehr entspricht. 1889 überraschte sie mit der Frechheit, einen Misthaufen mit Hühnern in den Vordergrund eines Bauernhofs zu malen und auf Reisen fertigte sie kleine, abstrahierende Ölskizzen an.

Auf Friedenskongressen Suttners wurde sie Delegierte und nach einer Herzerkrankung 1898 bis 1909, die durch eine Kaltwasserkur verbessert wurde, ernannten Schriftstellerinnen und Künstlerinnen sie zu ihrer Präsidentin. 1901 bis 1912 gehört sie zur Gruppe der Acht Künstlerinnen, die im Kunstsalon Pisko ausstellten. Sie reiste zu ihren Auftraggebern nach Nizza, verbrachte die letzten Jahre aber meist malend in Schloss Grafenegg, wie auf einigen Bildern mit Blumen in den dortigen Glashäusern zu sehen.