- © Sven Marquardt
© Sven Marquardt

Ein Schild mit der Aufschrift "Spielen verboten" hat sich in dem Fall erübrigt. Das Klavier, das unter den vielen Deckenlichtern der Hamburger Deichtorhallen prangt, wurde zu Tode gespielt, ja nachgerade geschlachtet. Verantwortlich dafür: Freiwillige Selbstkontrolle F.S.K., eine Münchner Avantgarde-Band. Sie hat im Rahmen eines Konzerts dermaßen auf den wehrlosen Kasten eingetögelt, dass davon nur eine Holzruine übrig blieb.

Mit einigem guten Willen kann man die Überreste freilich auch für ein Kunstobjekt halten, und als solches - und als Tribut an die Gitarren-Zerstörungen der alten Rock’n’Roll-Tage - ist das Pianino in die Ausstellung "Hyper! A Journey into Art and Music" gelangt. Rund 300 Exponate reihen sich hier zu einem Parcours im Grenzbereich zwischen Kunst und Popmusik. Den intellektuellen Anspruch sichert die Wahl des Kurators: Max Dax ist Ex-Chefredakteur von "Spex", dem mittlerweile eingestellten Magazin mit den berüchtigt komplexen Texten.

Auch in den Deichtorhallen wirkt manches übermäßig mit Hirnschmalz geadelt. Da klebt etwa eine Collage mit zerschlissenen Fotos von Justin Bieber an einer Wand; ihr medienkritischer Anspruch erschließt sich nicht so recht.

Dieser Ausstellungspop ist mitunter aber auch unterhaltsam. Zum Beispiel bei einer Arbeit von Rutherford Chang. Der New Yorker Künstler ist kein Fan der Beatles, hat aber mehr als 2000 Exemplare ihres "White Album" zusammengekauft und die Scheiben in Kisten gesteckt, wie man sie aus Plattengeschäften kennt. Der Witz an dieser Sammlung: Die LPs, einst allesamt gleich weiß am Beginn ihres Produktlebens, entwickelten über die Jahre Charakter. Manche tragen Schrammen auf der Hülle, andere ganze Litaneien aus der Hand der Vorbesitzer.

Markantes auch beim Eingang: Hier stieren einen die Augen deutscher Türsteher an, porträtiert von Sven Marquardt, einem berüchtigten Vertreter der Zunft und Fotografen. Überdimensional gedruckt, fesseln diese Wächtermienen unmittelbar. Wer sich so sehr in diese Blicke vertieft, dass ihm dabei der Handy-Akku ausgeht, darf übrigens auf Hilfe vor Ort hoffen: Die "Powerbanks" von Britta Thie - seltsame Sitzgelegenheiten mit Stromanschlüssen - wollen nicht nur die Jugendkultur reflektieren, sie dienen auch einem ganz schlichten Zweck.