Es empfiehlt sich, die fünf Stockwerke voller Kunstausstellungen in der Neuen Landesgalerie in Krems im Untergeschoß zu beginnen. Im dreigeteilten White Cube, der unterirdisch die Kunsthalle mit dem Museum verbindet, startet der Parcours mit einer großen Würdigung für den außergewöhnlichen Sammler Franz Hauer (1867-1914). Bis ins nächste Jahr hinein kann die durch Forschung rekonstruierte Sammlung in einem wesentlichen Teil besichtigt werden. Der Sohn eines Briefträgers aus Weißenkirchen schuftete als Hotelknecht und Fleischhauergeselle, bis er Besitzer des "Griechenbeisls" am Wiener Fleischmarkt wurde.

Neben Industriekapitänen wie Karl Wittgenstein konnte er mit dem Lokal Prominente wie Karl May und Mark Twain anlocken. Zum Millionär aufgestiegen, widmete er sich dem Kauf von Gegenwartskunst: 733 Gemälde listet der Nachlass auf, dazu kamen etwa 300 Papierarbeiten. Das meiste hat seine Familie bald nach seinem frühen Tod über ein Auktionshaus verkauft. Aus seinem Wunsch, ein museales Gebäude zu erwerben, wurde nichts mehr. Nur Sohn Leopold, der Maler wurde, hat einen kleinen Teil der Werke schließlich an Franz’ Enkelin Christa Hauer-Fruhmann vererbt. Sie hinterließ den Rest mit Schloss Lengenfeld der Landessammlung, was auch ein Anlass für die Rekonstruktion der ursprünglichen Kollektion war.

Oskar Kokoschka malte Franz Hauer. - © Risd Museum/Erik Gould
Oskar Kokoschka malte Franz Hauer. - © Risd Museum/Erik Gould

Lieblingskünstler Egger-Lienz

Hauer wurde von Egon Schiele und Oskar Kokoschka sehr geschätzt und viele Male gezeichnet. Schiele reservierte so manches wichtige Werk für ihn. Kokoschka malte ihn in seinem Todesjahr eindrucksvoll in zu großem Sakko als träumerisch blickenden früh gealterten Mann.

Sein Lieblingskünstler war wohl der Tiroler Albin Egger-Lienz, von dem er 80 Ölbilder bei seinem Tod in einem eigenen Saal seines Galeriehauses versammelte und der ihn vor allzu modernen Kollegen warnte. Doch Hauer ließ sich nicht abbringen von der "Neukunstgruppe" neben Schiele und Kokoschka Anton Faistauer, Anton Kolig, Sebastian Isepp und Robin Christian Andersen zu kaufen. Am Anfang noch Landschaften zugetan, mit denen er sein Haus verschönern wollte, wobei Robert Russ und Tina Blau zu erwähnen sind, ging sein Geschmack bald zur aktuellen Menschendarstellung des Expressionismus. Durch seinen frühen Tod vor dem Ersten Weltkrieg musste er nicht erleben, dass die Nationalsozialisten Geschmack an der Heimatliebe und Monumentalität des 1926 gestorbenen Egger-Lienz fanden.

In Hauers Briefwechsel mit den Protagonisten kann man über Kokoschka erfahren, dass dieser Hauer für den Vermittler nach Berlin zu Paul Cassirer hielt, der seine internationale Karriere antrieb. Der Sammler tauschte und verkaufte, um Neues zu erwerben und zu optimieren, verstand aber wenig von der Kaseinmalerei, die Egger-Lienz für seinen "Totentanz" verwendete, daher gab er das Bild aus Angst vor minderer Haltbarkeit weiter. Es sind Werke Schieles aus den USA gekommen wie "Agonie", "Bekehrung" oder die "Sägemühle", die "Häuser am Fluss" aus Madrid.

Der große Aufwand, auch mit selten zu sehenden Kokoschka-Akten aus Übersee hat sich also gelohnt für einen besonderen Einstieg in Niederösterreichs Kunstgeschichte.