Er gilt als einer der versiertesten Kenner der internationalen zeitgenössischen Kunstszene. Im Zuge seiner Tätigkeit als Galerist in Wien hat der 1955 in Graz geborene Peter Pakesch zahlreiche Künstler, wie John Baldessari, Sol LeWitt, Ilya Kabakow, Mike Kelley oder Albert Oehlen zum ersten Mal in Österreich präsentiert. Künstler wie Franz West und Heimo Zobernig hat er weit über die Grenzen des Landes bekannt gemacht. Nach dem Schließen der Galerie im Jahr 1993 und nach erfolgreichen Stationen als freier Kurator an der Nationalgalerie in Prag sowie als Direktor am Baseler Kunsthaus und am Grazer Joanneum leitet er seit 2015 die Geschicke der Maria-Lassnig-Stiftung. Die "Wiener Zeitung" traf den Kulturimpresario zum Gespräch über Tücken bei Künstlernachlässen, die Ziele der Lassnig-Foundation und seine Aversion gegen Mittelmäßigkeit.

"Wiener Zeitung": In den vergangenen Wochen sorgten die Nachlässe der weltweit renommiertesten zeitgenössischen Künstler Österreichs, Maria Lassnig und Franz West, für viel Aufsehen: bei Lassnig mit akklamierten Ausstellungen wie im Amsterdamer Stedelijk Museum, bei West mit enervierenden Prozessen zwischen den Erben und der Stiftung. Was gelang bei der einen, was wurde beim anderen verabsäumt?

Peter Pakesch: Maria Lassnigs dezidiertes Bestreben war schon zu Lebzeiten, für klare Verhältnisse zu sorgen. Sie hat sich diverse Modelle angesehen, mit Institutionen verhandelt und schließlich ihre Vorstellungen mit einem Notar realisiert. Bei all ihren Widerborstigkeiten - sie war nicht einfach im Umgang - hat sie mit dem Schritt wichtige Pflöcke gesetzt und die Stiftung mit Werken sehr gut ausgestattet. Bei Franz West gab es zu viele unterschiedliche Interessen, tiefgreifende Missverständnisse und Widersprüche. Im Kontext der Stiftung kommt noch eine ordentliche Portion Machtpolitik hinzu. Meiner Meinung nach hätten alle miteinander gekonnt. Das hat’s nicht gespielt, und nachdem bald Anwälte involviert waren, war es mit einem möglichen Konsens vorbei. Das ist unsäglich! Zum Glück haben unabhängig davon das Pariser Centre Pompidou und die Tate Modern in London mit der sehenswerten Retrospektive hervorragende Arbeit geleistet und enorm viel für das Werk und den Nachruhm Wests geleistet, abseits der Wiener Kabalen.

Können Sie die Ziele der Maria-Lassnig-Stiftung kurz beschreiben?

Wir wollen ihr Werk am Leben halten und ihren Namen durch Ausstellungen, gezielte Verkäufe, ein Werkverzeichnis und kunsthistorische Forschungen verbreiten. Zudem hat der Vorstand den Maria-Lassnig-Preis ins Leben gerufen, der alle zwei Jahre vergeben wird. Ein mit 50.000 Euro und einer Museumseinzelausstellung dotierter Preis, der sich gezielt an Künstlerinnen und Künstler in der Mitte ihrer Karriere richtet. Lebensjahre, die auch für Lassnig die schlimmsten gewesen sind - obwohl da ihre besten Arbeiten entstanden sind. Vor zwei Jahren hat die Britin Cathy Wilkes den Preis gewonnen, heuer die 1957 geborene, indische Künstlerin Sheela Gowda. Sie wird 2020 eine Einzelausstellung im Lenbachhaus in München haben.