Behäbigkeit kann den Organisatoren nicht vorgeworfen werden. Als vor etwas mehr als einem Jahr die rund um den Globus geführten Diskussionen über das wirtschaftliche Überleben und die künstlerischen Perspektiven von kleinen bis mittelgroßen Galerien ihren Höhepunkt erreichten, sorgte eine Aussage des New Yorker (Groß-)Galeristen David Zwirner für Aufsehen: Er schlug nichts weniger vor, als dass die multinationalen Galerientanker à la Gagosian, Goodman und Hauser & Wirth wesentlich mehr für die Messestände zu zahlen hätten als kleine und mittlere Galerien. Die Solidaritätsabgabe sollte garantieren, dass sich die für den Aufbau von Künstlerinnen und Künstlern essenziellen Galerien die Standmieten bei internationalen Kunstmessen nicht mehr leisten können. Kaum ein Jahr später hat die Art Basel reagiert. Die Miete für kleinere Stände wurde gesenkt und als Ausgleich wurde der Obolus für Präsentationsflächen jenseits der 100 Quadratmeter merklich angehoben.

Aus der Portokassa

Die Größenordnung richtet sich tatsächlich an die globalen Kunstkonzerne. Eine finanzielle Mehrbelastung, die zu verkraften ist, wenn etwa Galerien wie Helly Nahmad einen frühen Mark Rothko im Programm haben und den für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag auch verkaufen. Damit wird der Preisanstieg quasi aus der Portokassa beglichen. Nichtsdestotrotz eine bemerkenswerte Initiative der Art Basel, die hoffentlich auch bei anderen internationalen Messen Nachahmer finden wird.

Der Rundgang über die 49. Art Basel zeigt einmal mehr, wie bedeutend das spannende, teilweise befruchtende Nebeneinander von hochpreisigen Klassikern und jungen Talenten ist. Bei den Klassikern spielen heuer österreichische Heroen wie Klimt, Schiele und Kokoschka eine tragende Rolle. Bei den Galerien St. Etienne aus New York oder Richard Nagy aus London werden Sammlern Arbeiten der drei Künstler in einer Qualität angeboten, die schon lange nicht mehr in heimischen Auktionshäusern versteigert wurden. Bei Nagy fasziniert zum Beispiel eine Gemeinschaftsarbeit von Anton Peschka und Egon Schiele. Das "Zweifache Selbstporträt" preist der Galerist um 4,5 Millionen Dollar an. Wobei er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" darauf verweist, mit der Auspreisung aufgrund der Zusammenarbeit der beiden Künstler seine Probleme gehabt zu haben: "Wäre es Schiele alleine, könnte man international wahrscheinlich ein Vielfaches verlangen."

Wahrscheinlich lag es am schlechten Wetter während der Eröffnungstage, dass die Stimmung bei den Galeristen eher sonnig war: Die Sammler waren aufgrund des Dauerregens quasi gezwungen, sich in den Messehallen intensiver mit der Kunst zu beschäftigen. Einen respektablen Auftakt bestätigt die Galerie Krinzinger, die mit einer tollen (Indianer-)Skulptur von Hans Op de Beeck (200.000 Euro), aktionistischer Malerei von Mark Wallinger (85.000 Euro) und einer überaus feinen Zeichenarbeit von Waqas Khan (80.000 Euro) beim Sammlerpublikum punkten konnte.