Preis-Plafond nicht erreicht

Bei Martin Janda stach eine große Leinwand des tschechischen Künstlers Jan Merta ins Auge (52.000 Euro, Kleinformate 3.000 Euro). Ebenso überzeugt bei Janda die intensive, stringente Textilarbeit von Nilbar Güres um 22.000 Euro. Eine österreichische Sammlerin entschied sich für ein okkult-geheimnisvolles, an den Stil des Malers Jean-Auguste-Dominique Ingres Bezug nehmendes Acrylgemälde der französischen Künstlerin Anne Laure Sacriste bei der Galerie Vera Munro. Bei der Berliner Galerie König beeindruckte einmal mehr eine ungeheuer präzise, fesselnde Skulptur der Künstlerin Alicja Kwade (260.000 Euro).

Das Münchner Museum Brandhorst startet ins nächste Jahrzehnt - die renommierte Sammlung und das Haus unter der Leitung des ehemaligen Mumok-Chefkurators, Achim Hochdörfer, zelebrierten gerade ihr zehnjähriges Jubiläum - mit dem Ankauf einer exemplarischen Arbeit der schottischen Künstlerin Lucy McKenzie von der Londoner Cabinet Gallery. Bei Simon Lee ist wieder einmal zu bemerken, dass bei manchen Zeitgenossen der Preisplafond noch immer nicht erreicht ist: Ein Kleinformat (30x50cm) aus dem Jahr 1992 von Christopher Wool ist für wohlfeile 2,6 Millionen US-Dollar zu haben. Ob das lediglich eine ungemein überzogene Vorstellung eines Sammlers ist, der die Arbeit über die Galerie anbietet, oder der Markt tatsächlich bereit ist, diesen Preis zu bezahlen, wird sich in den kommenden Tagen weisen. Wie ein lebender Künstler auf derartige Preisexplosionen reagiert, sollte einmal eruiert werden. Wohin der Kunstmarkt - speziell der "Secondary Market" - das Oeuvre eines bereits sehr jung verstorbenen Künstlers bringen kann, veranschaulicht das Beispiel des US-amerikanischen Graffitikünstlers Jean-Michel Basquiat deutlich: Leinwände und Zeichnungen des mit 28 Jahren verstorbenen Künstlers sind bei zahlreichen Galerien zu finden und werden nicht mehr unter der Millionenmarke verkauft. Eine unglaubliche Flut an Werken, sodass Beobachter nicht umhinkönnen, dem Arbeitspensum Basquiats postum Respekt zu zollen. Oder frevelhaft Fragen nach der Authentizität der Exponate zu stellen. Die kommenden Jahre werden die Richtung weisen.