Endlich keine insistierenden Fragen mehr. Keine vierteljährlichen Forderungen von gierigen Heuschrecken nach mehr Rentabilität und höheren Dividenden. Wenn in den kommenden Wochen die Hauptversammlung des traditionsreichen amerikanischen Auktionshauses Sotheby’s einem Übernahmeangebot des israelisch-französischen Geschäftsmanns Patrick Drahi zustimmt, dann verschwindet das Unternehmen mit Ende 2019 von der Börse. Damit könnte sich das weltweit zweitgrößte Auktionshaus wieder in Ruhe, langfristig, anonymer und abseits eines effekthaschenden Kunstmarktes den meist weitverzweigten bis heiklen Geschäftsanbahnungen und Versteigerungen widmen. Welche unmittelbaren Veränderungen und nachhaltigen Auswirkungen die geplante Übernahme auf den Kunstmarkt haben wird, kann anhand einiger Kennzeichen skizziert werden.

Nicht sehr innovativ

Anfang vergangener Woche ist der 1963 in Casablanca geborene Kunstsammler, Telekom- und Medienunternehmer Patrick Drahi mit dem Angebot an die Öffentlichkeit gegangen, das 1744 in London gegründete Auktionshaus vollständig übernehmen zu wollen. Seine amerikanische Holding BidFair bietet den Aktionären 57 Dollar je Aktie. Ein überaus fairer Preis, denn der liegt gute 61 Prozentpunkte über dem Schlusskurs der Aktie. Insgesamt ein Kaufpreis von 3,7 Milliarden US-Dollar. Drahi, dessen Privatvermögen vom Finanzmagazin "Forbes" auf 9,4 Milliarden geschätzt wird, hat in ersten Stellungnahmen betont, nun bei Sotheby’s verstärkt auf Online-Auktionen zu setzen. Eine gute Idee, aber nicht mehr eine der innovativsten. Denn das Auktionshaus hatte in den letzten Jahren mit einem Großinvestor zu kämpfen - Dan Loeb mit seinem Hedgefonds Third Point besitzt 9,3 Prozent am Unternehmen -, der der Geschäftsführung unentwegt vorwarf, nicht rentabel genug zu agieren. Deswegen solle Sotheby’s mehr Online-Auktionen anbieten. Mit der Übernahme wäre Loeb auch fein raus: Sein Fonds würde 125 Millionen US-Dollar lukrieren.

Was bedeutet nun die Privatisierung für das Stammgeschäft der Kunstauktionen? Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die beiden größten Auktionshäuser eine Schlagzeilenschlacht der Sonderklasse geliefert. Bei Bobachtern verstärkte sich der Eindruck, dass jährlich eines der beiden Häuser das teuerste jemals auktionierte Kunstwerk an die große mediale Glocke zu hängen hatte. Das funktioniert einige Zeit. Gerade, wenn es darum geht, internationale Megasammler und Institutionen auf die Erfolge aufmerksam zu machen. Nur sind manche Formen der Geschäftsanbahnungen mit den Gebarungen einer öffentlichen Aktiengesellschaft mit Quartalsberichten finanztechnisch bedingt darstellbar. Schon die praktizierten wie komplizierten (Abnahme-)Garantien für Anbieter von Kunstwerken sind Aktionären kaum zu erklären. Viele der finanzkräftigen Garantiegeber zeigen außerdem nicht die geringste Lust, namentlich in irgendeinem Bericht für die Aktionäre erwähnt zu werden. Des Weiteren reduzieren solche Modelle im Endeffekt signifikant die zu erwartenden Margen. Daher gab es berechtigte Fragen einiger Aktionäre, ob man bei etwas mehr Risiko - an und für sich das Grundprinzip einer Auktion - nicht auch mehr verdienen könnte. Hier hatte der Hauptkonkurrent von Sotheby’s, Christie’s, einen Startvorteil, weil es sich im Alleinbesitz der Familie des französischen Milliardärs Francois Pinault befindet. Was bedeutet, dass sich die Manager lediglich vor dem Aufsichtsrat zu rechtfertigen haben und unabhängig bestimmen, welche Informationen an eine breite Öffentlichkeit gestreut werden.