Buenos Aires/Mallorca. "Ich mache das, seitdem ich fünf Jahre alt bin – und kann nicht damit aufhören. Das ist mit mir gekommen und wird auch mit mir gehen, ich kann es weder erklären noch beschreiben. Aber es ist ein großes Privileg, für das ich mich bei meinem Vater und meiner Mutter bedanke." So beschrieb Guillermo Mordillo, seit den sechziger Jahren erfolgreicher Cartoonist, in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sein Talent. Nun ist der gebürtige Argentinier tatsächlich gegangen – er starb Sonntag im Alter von 86 Jahren in seiner Wahlheimat Mallorca.

Seinen vielen Fans auf der ganzen Welt gilt der gebürtige Argentinier seit Jahrzehnten als Meister des Humors ohne Worte. Zeitlos, aktuell und ohne den humoristischen Vorschlaghammer hat sich der gelernte Journalist in die Herzen seines Publikums gezeichnet. Und das Dasein als Journalist, wie er es in der Journalistenschule von Buenos Aires gelernt hatte, war auch die Lebenswelt mit der er sich immer am meisten identifizieren konnte: "Ich bin ein Journalist, der nicht schreibt. Meine Kommentare zeichne ich", pflegte er zu sagen.

Ohne Französisch nach Paris

Dabei waren es auch ganz handfeste Gründe, die den wortlosen Humor des Sohns spanischer Migranten beflügelte. Als er im August 1963 angeblich mit nur 150 Dollar und ohne französische Sprachkenntnisse nach Paris reiste, musste er sich notgedrungen Engagements suchen, die ohne Text auskamen. In ersten Jobs für den Mic-Mac-Verlag oder die Magazine "Le Pèlerin" und "Paris Match" zeigten schon jene Ansätze eines Humors, der auch international funktioniert. Zunächst aus den Notwendigkeiten geboren, wurde sein Stil rasch zum Markenzeichen. Der Vorteil: Seine Zeichnungen sind so international verständlich. "Von mir sind 19 Bücher in China erschienen – ohne ein einziges Wort Mandarin", sagte Mordillo einmal. Tatsächlich finden sich nur ganz wenige Cartoons, die Text haben. Etwa ein Bild von einer Nonne, die einen Priester küsst. Einen Lichtstrahl von oben quittiert sie mit den Worten "Oje, mein Mann!"

In Paris, wo er 1969 Amparo Camarasa heiratete, wurde bald der deutsche "Stern" auf das junge Talent aufmerksam – eine über Jahrzehnte gehende Partnerschaft sollte folgen und für eine sehr hohe Bekanntheit im deutschsprachigen Raum sorgen. Einer weltweiten Cartoon-Serie folgten zahlreiche Merchandising-Produkte wie Poster, Kalender, Kleidungsstücke, Plüschtiere, Postkarten, Spielfiguren und Puzzles, Schulartikel und ein Computerspiel. Mordillo wurde in den Achtzigerjahren zu einem der kommerziell erfolgreichsten Zeichner – ein Status, der bei Kollegen im Fach rasch zu neidvollen Seitenblicken führte. Mordillo habe sich verkauft und sei viel zu kommerziell, hieß es damals. Sehr bekannt sind seine Figuren mit den charakteristischen großen, runden Nasen auch durch die Werbe-Spots der 1980er Jahre für die ARD-Fernsehlotterie.

Runde Augen, lange Nasen

Immer wieder ließ sich Mordillo von Städten inspirieren, als Hommage an Dresden zeichnete er die Frauenkirche in seinem Stil. Große, rundliche Mordillo-Figuren tummeln sich auch in Zeichnungen mit dem Schiefen Turm von Pisa, Big Ben in London und dem Roten Platz in Moskau. 2015 widmete das Karikaturmuseum Krems dem Zeichner eine umfangreiche Ausstellung.

Nach dem kometenhaften Aufstieg wurde es im neuen Jahrtausend ruhig um den mehrfachen Vater und Großvater, der sich auf Mallorca niedergelassen hatte. Er widmete sich mit Passion seinem Golfspiel (Handicap 19) und genoss die Früchte seiner Arbeit. Scherzhaft sagte er zur Wahl seines Wohnortes, die Ferieninsel sei einer der wenigen Orte, "an dem man sicher nicht der einzige Ausländer an einem Tisch ist". Tatsächlich ist die Migration einer der wenigen Konstanten im Leben des Zeichners, der perfekt Spanisch, Englisch und Französisch sprach. Selbst Migrantensohn in Argentinien, zog er nach Paris und pendelte später zwischen Monaco, Mallorca und Frankreich. Demnach selbst auch Wahlfranzose, erschütterte ihn 2015 die Terror-Anschläge auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" in Paris, von deren Stab er viele Zeichner kannte. "Ich habe an diesem Tage einen traurigen Clown mit Bleistift gezeichnet", sagte er später. Man müsse die Welt der Satire in zwei Teile teilen: Eine Zeit davor und eine Zeit danach. "Denn es wird nie wieder so sein wie vorher", sagte Mordillo.

Tatsächlich war ihm bei aller Liebeswürdigkeit seiner Figuren mit den großen Nasen und Augen stets auch die kritische Ebene wichtig. "Es es ist letztlich das, was ich denke und einbringe - ein Stück von mir, wenn Sie so wollen", sagte er dazu. Und es ist wohl auch das, was lange in Erinnerung bleiben wird.