Vor dem Renaissance-Gemälde im Prado Museum in Madrid sammelt sich eine Menschengruppe. Hieronymus Boschs "Garten der Lüste" zeigt die Wandlung des Paradieses zu einem Schauplatz des Chaos. "Keine Fotos" ruft eine Aufseherin über die Gespräche der französischen Schüler hinweg, die durch den Raum eilen.

Ein paar Räume weiter treffen sich zehn Leiter kunsthistorischer Museen. Anlässlich des 200-jährigen Geburtstags des Prado referieren sie hier über die Herausforderungen ihrer Institutionen und über die Pläne für die Zukunft. Das Kunsthistorische Museum Wien (KHM) steht exemplarisch für die Konferenz, da sowohl die seit zehn Jahren amtierende Generaldirektorin, Sabine Haag, anwesend ist, als auch der Kunsthistoriker Eike Schmidt, der sie im November dieses Jahres ablösen wird. Aktuell leitet er noch die Uffizien in Florenz.

Drag Queen im KHM. - © KHM
Drag Queen im KHM. - © KHM

Vor allem drei Fragen beschäftigen die großen Museen in Madrid und Wien, Florenz, Paris, Sankt Petersburg, London, Frankfurt, Edinburgh, dem Vatikan und New York: Wie soll mit dem Besucherandrang umgegangen werden? Wie kann eine Verbindung zwischen den alten Objekten und der modernen Gesellschaft hergestellt werden? Und wie können die Werke am besten an die Besucher vermittelt werden?

Vor dem Gebäude aus rotem Backstein in Madrid stehen die Menschen in einer überdachten Schlange und warten darauf, die Sehenswürdigkeit zu betreten. "Historische Gebäude waren nicht für die moderne Museumsinfrastruktur geplant", sagt Sabine Haag. Sie zeigt ein Gemälde, auf dem zu sehen ist, wie ein Museumsbesuch im 19. Jahrhundert aussah: Angehörige der gehobenen Schicht stehen zwischen den Objekten, unterhalten sich, rauchen. Es gab eine Kleiderordnung und es gab Essen und Trinken. Heutzutage ist das undenkbar.

Wegreißen geht nicht immer

Dafür gehört ein Café zur Standardausstattung eines Museums dazu. Genauso wie ein Museumsshop und eine Garderobe. Diese Ansprüche sprengen die Kapazität der alten Gebäude. "In den Eingangsbereichen stauen sich die Besucher. Es dauert ewig, bis sie in der Sammlung ankommen", sagt die Generaldirektorin des KHM. Andere Museen, wie das Metropolitan Museum (Met) in New York, das aktuell von dem Wiener Max Hollein geleitet wird, begegnen dem Platzproblem, indem sie Trakte abreißen und neu bauen. Für Haag ist das schon wegen des Denkmalschutzes keine Option. Stattdessen arbeitet das KHM aktuell an einer Studie zur Raumnutzung im Rahmen der gegebenen Architektur.

Das KHM ist rechteckig gebaut, die Ausstellung kann vom einem, bis zum anderen Ende durchspaziert werden. In einem Trakt ist die deutsche, flämische und niederländische Malerei untergebracht, in dem anderen die italienische, französische und spanische. So bestimmt die Architektur des Museums die Präsentation der Sammlungen mit. Aber die Geschichte kann nicht so einfach in zwei Trakte unterteilt werden, sie ist vernetzt. Deshalb überlegen die Museen, wie sie die Präsentation ändern und unterschiedliche Ansichten in das Narrativ einschließen können.