In New York zum Beispiel wird in den nächsten zehn Jahren ein Viertel des Met neugebaut. Dabei wird radikal in die bestehende Anordnung des enzyklopädischen Museums eingegriffen, mit dem Ziel, die Perspektive des weißen Mannes auf die Kulturgegenstände durch andere zu ergänzen. Haag findet das ermutigend und dass unbedingt ein Bezug zu aktuellen Kontexten gefunden werden muss. "Wir sind ein Museum für alte Kunst und Kulturen, aber wir müssen in die Gegenwart atmen", sagt sie.

Als Beispiel nennt sie die Darstellung von Macht. Sie wirft Fragen auf: Wie gehe ich in einer republikanischen Zeit mit dem Thema Monarchie um? Und mit den Habsburgern? "In der Schatzkammer werden die Insignien des Heiligen Römischen Reiches und des Kaisertum Österreichs zelebriert. Wie kann ich diese Objekte in die Gegenwart übersetzen, auch in Bezug auf die aktuelle politische Repräsentation?"

Diese Fragen gehören zum Bereich der Kunstvermittlung und zur dritten großen Herausforderung. Früher haben kunstgeschichtliche Sammlungen vor allem das Bildungsbürgertum angesprochen. Heute ist das anders. Immer mehr Touristen besuchen die Museen und sie verändern sich konstant. Das hängt mit der wirtschaftlichen Situation in den Herkunftsländern zusammen. Haag erzählt, dass die Amerikaner mit der Lehman-Krise 2008 schlagartig weg waren. In New York droht jetzt der Einbruch des chinesischen Marktes, nachdem China als Konsequenz des Handelskriegs mit den USA eine Reisewarnung ausgegeben hat. Für die Museen bedeutet das, dass sie ständig Sprachen und Perspektiven ihrer Führungen an ein wechselndes Publikum anpassen müssen.

Angst vor Überforderung

Andererseits kriegt das KHM noch immer die Rückmeldung von Nicht-Besuchern, dass es eine Überforderung sei und sie Angst hätten, intellektuell zu versagen. Das Museum versucht, dem zu begegnen, mit Veranstaltungen, wie der Partyreihe "Kunstschatzi", Diskussionsrunden oder thematischen Führungen, wie der "Drag-Führung", die sich auf Genderthemen konzentriert.

So werden die Museen immer mehr zu Orten, wo es nicht nur um Weiterbildung geht, sondern auch um Freizeit. Haag sagt, dass Museen heute - auch durch die vielfältigen Besucher - demokratischere Orte sind als früher. Und der Leiter des Prado bezeichnet Museen als "die neuen Kathedralen". Orte der Begegnung und der Gemeinschaft.

Um die Institutionen noch zugänglicher zu machen, arbeiten sie an ihren Onlineauftritten und nutzen Plattformen wie Google, Instagram oder Twitter. Das Prado hat seine Sammlung auf die Website gestellt, über Instagram wirbt es um Microfunder: "Mit 5 Euro retten Sie dieses Bild".

Mit dem 51-jährigen Eike Schmidt bekommt das KHM im November einen Leiter, der einen Schwerpunkt auf digitale Weiterentwicklung setzen will. Der aktuelle Direktor der Uffizien in Florenz hat deren Website ins Leben gerufen, er kennt sich damit genauso gut aus wie mit der Raumnutzungsfrage. Haag und Schmidt sind Fachkollegen und stehen seit den 90ern in wissenschaftlichem Austausch. Auch die Uffizien und das KHM sind historisch verbunden, da beide Museen die Habsburger Sammlung beherbergen. Ebenso wie das Prado.

Nur drei Tage im Jahr hat das Prado geschlossen, sonst ist es täglich zehn Stunden lang geöffnet. Kunststudenten diskutieren mit Papier und Stift vor der Statue, die sie abzuzeichnen versuchen. Die Schüler lesen am Handy, auf der Website die Beschreibung zu einem Gemälde, bis sie an der Reihe sind, es aus der Nähe zu betrachten. Das reale Museumserlebnis kann auch die beste Website nicht ersetzen, darüber sind sich die Direktoren einig.