Diesen Frühling hat sich Yokohama die Scheiße ins Haus geholt - sprichwörtlich. In Japans zweitgrößter Stadt öffnete Mitte März das "Unko" Museum - übersetzt: Kot, Exkrement, Pups, A-a oder Kacke. Man muss es so deutlich sagen, das ist nämlich Sinn der Sache. Auf großer Fläche sehen Besucher dort nicht nur Häufchen in allen Formen und Zuständen. Das Ganze ist eine Mischung aus Info, Spaß und Konfrontation.

In einer Ecke der bunten Räume steigt ein Wettbewerb, den gewinnt, wer am lautesten "unko" schreit. Ein paar Meter weiter warten Toilettenattrappen darauf, dass Besucher Platz nehmen. Sobald ein Drucksensor aktiviert wird, plumpst ein lila Plastikhäufchen in die Schüssel. Kurz darauf kann man Selfies schießen mit Cupcakes in Kackhaufendesign.

Die Kuratoren können sich mit einer Innovation brüsten. "Indem wir es Besuchern ermöglichen, Fäkalien als etwas zu erleben, das lustig, niedlich und auch ein Gesprächsthema ist, bieten wir eine Art der Unterhaltung, die es zuvor noch nie gab", heißt es. Das dürfte stimmen. Jedenfalls scheint es in westlichen Ländern undenkbar, sich auf einer nichtmedizinischen Ebene mit dem Endprodukt der Ausscheidung auseinanderzusetzen, ohne dass es ekelhaft und unangenehm wird, und deshalb auch einfach unnötig daherkäme.

Hier salonfähig, dort nicht

In Japan ist das anders. Dabei markiert das Unko Museum weder eine radikale Kulturkritik noch eine neue Ästhetik. Die Scheiße-Ausstellung passt ganz gut ins Land. Einerseits hat die japanische Kulturbranche sowieso eine Schwäche für vermeintlich abseitige Konzepte. Nicht weit vom Museum steht eine Ausstellungshalle für Instantnudeln. In Tokio gibt es unter anderem ein Autoreifenmuseum, ein Gepäckmuseum und auch schon länger ein Abwassermuseum.

Oft sind diese Häuser in Wahrheit PR-Abteilungen von Unternehmen oder Behörden, die für eigene Produkte werben. Das Unko dagegen ist mit keiner Lobby verbunden. Die Aussteller finden das Thema einfach spannend, und die Resonanz gibt ihnen recht.

Was ist der Unterschied zwischen Japan und dem Westen, dass der Spaß mit Fäkalien hier salonfähig ist, dort aber nicht? Kann man davon lernen? Und wenn ja, sollte man? Offensichtliche Unterschiede, die das schnell erklären könnten, gibt es kaum. An beiden Enden der Welt ist ein Zivilisationsgrad erreicht, der Menschen Ekelgefühle gegenüber ihren Exkrementen beigebracht hat, nachdem in der Vergangenheit eine zu enge Verbundenheit damit zu Krankheiten und Seuchen führte. Auch die Vulgärsprache ist ähnlich. Wenn man auf Englisch "shit" schimpft, auf Spanisch "mierda" und auf Französisch "merde", sagt man im Japanischen "kuso." Der Gebrauch von "unko" aber, was für Japaner weniger vulgär klingt als "kuso" und trotzdem vom Stubenreinen weit entfernt bleibt, ist viel unverkrampfter als die Nutzung des Äquivalents im Deutschen.