Europäische Variante

Auch in westlichen Ländern hat es einige Versuche gegeben, den Kot um seine Anrüchigkeit zu erleichtern. Der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser lobte 1979 in der Streitschrift "Scheiße wird zu Gold", wie nützlich das Endprodukt als Kompost für ökologische Kreislaufwirtschaft sein könnte. Daher sei der moderne Umgang damit schädlich: "Die Wassertoiletten sind eine der vielen gefährlichen Sackgassen unserer Zivilisation: Verschwendung von Unmengen reinem Trinkwasser, um etwas Scheiße und Urin fortzutragen." Angesichts der ökologischen Verwertbarkeit der Fäkalie wunderte sich Hundertwasser: "Wir haben Tischgebete vor und nach dem Essen. Beim Scheißen betet niemand."

Wie es wohl wäre, wenn der Stuhlgang zu einem sozialen Anlass gemacht würde, stellte sich der spanische Regisseur Luis Buñuel 1974 im Film "Das Gespenst der Freiheit" vor. In einer Szene trifft sich eine schicke Gesellschaft zum Beisammensein bei Tisch, nimmt aber nicht auf Stühlen Platz, sondern mit runtergezogenen Hosen auf Kloschüsseln. Die soziale Aktivität ist das Scheißen, und wenn jemand essen will, entschuldigt man sich und fragt beim Diener des Hauses peinlich berührt nach dem stillen Örtchen, wo man kurz unbeobachtet etwas Nahrung aufnehmen könnte.

Der Film wurde hochgelobt und ausgezeichnet. Aber an den Zwängen und Tabus änderte er so wenig wie die lauten Gedanken von Hundertwasser. Auch der Bestseller "Darm mit Charme", mit dem die junge Ärztin Giulia Enders 2014 zum Medienstar wurde, war nur eine kurze Verstimmung. Das ganze Thema ist schon wieder eher schlechter Geschmack.

Das hat sich an den Kritiken des Unko gezeigt. Während man in Japan jubelte, fiel die Resonanz international anders aus. Die meisten nicht-japanischen Mainstreammedien, die überhaupt berichteten, erklärten die Sache zur Kuriosität.

Fruchtbarer Boden für Ideen

Doch, dass man sich in Japan für Scheiße interessieren kann, ohne Gastroenterologe oder Perverser sein zu müssen, zeugt eher von einer Offenheit, die in westlichen Kulturen kaum zu finden ist. So erfindet man nicht nur die besten Toiletten, erreicht die weltweit höchsten Hygienestandards und kommt auf neue Lehrkonzepte. Wo mit eigentlich ekelhaften Dingen umgegangen werden kann, ohne dass gleich jede Regel gebrochen wird, herrscht fruchtbarer Boden für die nächsten klugen Ideen, die im westlichen Kulturkreis selbst der eigentlich konservative Philosoph Peter Sloterdijk vermisst. Ein tiefes Eindringen in die Materie. In welche auch immer.