Selbstportrait, Aquarell. - © Sammlung Bentz
Selbstportrait, Aquarell. - © Sammlung Bentz

Nach der Affäre mit Rilke ließ sich Lou Albert-Lasard bis zum Ende des Weltkrieges in der Schweiz nieder, ehe sie 1918 nach Berlin ging. Hier schloss sie sich der in Folge der Umbruchzeit nach Kriegsende entstandenen und revolutionär gesinnten Künstlervereinigung "Novembergruppe" an und feierte ihre ersten Berliner Ausstellungserfolge, etwa in den Galerien Neumann und Nierendorf oder im Rahmen der Novembergruppe-Werkschauen in der Berliner Sezession. Sie experimentierte mit Form und Farbe, es entstanden expressive Bilder von Cafés, Bordellszenen und eindrucksvolle wilde Porträts Josephine Bakers beim Tanz in der "Revue nègre" im Nelson-Theater.

Legendäre Feste

Bald ging in ihrem Atelier in der Rankestraße "tout Berlin" ein und aus. Ihre Künstlerfeste wurden legendär - und sie ein Mittelpunkt der Szene. Mit führenden Berliner Künstlerkollegen war sie ebenso bekannt und befreundet wie mit den damals in der Stadt lebenden ausländischen Künstlern Arthur Segal, Ivan Puni oder den Literaten Joachim Ringelnatz, Erich Maria Remarque, Heinrich und Thomas Mann, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler sowie dem Kunsthistoriker Carl und dem Physiker Albert Einstein.

Fast alle hielt sie in Öl auf der Leinwand oder in Zeichnungen und Druckgraphiken auf Papier fest. Als Frau, die für den Chic der Zeit stilbildend wurde, arbeitete sie für das vom Galeristen Alfred Flechtheim ins Leben gerufene Magazin "Der Querschnitt" ebenso wie für die im Ullstein Verlag erschienene Zeitschrift "Die Dame" - Blätter, die sich dem höchsten Anspruch an den guten Geschmack verpflichtet sahen und in den "Goldenen Zwanzigern" Vorreiter in Fragen der Mode und der kultivierten Lebensgestaltung waren.

Große Beachtung fand Lou Albert-Lasard mit ihrer 1924 im Kiepenheuer Verlag veröffentlichten und im Jahr darauf in der renommierten Galerie Flechtheim gezeigten "Montmartre-Suite", einer Folge von zwölf großformatigen Lithographien, in denen sie mit kraftvollen Strichen mit der Lithokreide eindringliche Milieuschilderungen aus dem Treiben in den Cabarets und Vergnügungsetablissements in der Seine-Metropole aufs Papier brachte.

Ihre Bilder aus dem Pariser Nachtleben zeigen frivole und erotische Gestalten, die Regeln der Bürgerlichkeit sind dispensiert, nur die Attraktivität in den kurzen Episoden des nächtlichen Spektakels zählt. Publikum und Kritik zeigten sich begeistert von den - so hieß es in einer Kritik - "durch wirbelnden Schwung und Technik faszinierende(n) Blätter(n) aus den Bereichen nächtlicher Quartiere und Tanzlokale, amüsant mit Akzenten der Unheimlichkeit, stimulierend durch eine restlos in zeichnerisches Tempo umgesetzte Frivolität. Hier scheint die Künstlerin ganz in ihrem Element, hier sprüht ihre Darstellung, hier wirkt die Leichtigkeit der Mittel nicht flüchtig, sondern als geistreiche Zuspitzung . . ."

1928 ließ sich Lou Albert-Lasard, durch das väterliche Erbe finanziell unabhängig geworden, endgültig in Paris nieder und wurde Teil der Künstlergemeinschaft des Montparnasse. Sie arbeitete in ihrem Atelier über dem Boulevard Raspail und hielt Hof in den in Sichtweite gelegenen Cafés, dem Dôme, dem Sélect oder dem Rotonde. "Lou Albert-Lasard", erinnerte sich der Fotograf Willy Maywald, "hatte damals viel Erfolg in Paris. Man sah sie oft im Café du Dôme mit ihrer Tochter, der schönen Ingo. Man konnte sie nicht übersehen, denn sie war eine der extravagantesten Erscheinungen, die ich je in meinem Leben gesehen habe. In rote Fuchspelze gehüllt, trug sie auf ihren brandroten Haaren die ausgefallensten Hüte, etwas aus Moos oder aus Hahnenfedern."