Marc Chagall im Porträt von Lou Albert-Lasard. Lithographie. - © Sammlung Bentz
Marc Chagall im Porträt von Lou Albert-Lasard. Lithographie. - © Sammlung Bentz

In Paris entstand ein umfangreiches Werk: Ölbilder, Aquarelle, Druckgraphiken - Menschen, Landschaften, Tierdarstellungen. Besonders mit ihren Aquarellen erregte Lou Albert-Lasard Aufmerksamkeit. So etwa mit der Mappe "Paraboles" (1930), die sie gemeinsam mit dem Dichter Paul Valéry herausgab. Die darin enthaltenen Tieraquarelle zu seinen Gedichten offenbaren die Liebe und den tiefen Respekt der Malerin vor der Schöpfung. "Sie sieht bei den Tieren, die sie gestaltet", hieß es damals im "Querschnitt" in Berlin, "durch die äußere Form hindurch die Seele und weiß ihre Eigenart durch schwebende Farbigkeit zu umschreiben, die sich mit dem Körperlichen auf eine fast unwirkliche Weise zum Märchenhaften verdichtet".

In Malerei und Graphik hielt Lou Albert-Lasard weiterhin das Pariser Leben in den Vergnügungsetablissements und Szenelokalen fest und brachte die Konterfeis vieler Vertreter des pulsierenden Kunstbetriebes auf Leinwand und Papier. So gibt es von ihr einfühlsame Porträts etwa von Marc Chagall, Fernand Léger, André Derain, Jean Cocteau, Paul Valéry oder Paul Claudel.

Mit Tochter Ingo, mit der sie ihr Leben lang eine enge Beziehung verband, reiste Lou in diesen Jahren durch ganz Europa, Nordafrika und 1938 - als Gast Gandhis - nach Indien. Auch ihn hielt sie in eindrucksvollen Porträts fest. Zu den Bildern und Graphikserien, die auf diesen Reisen entstanden, verfassten Dichter wie Jean Cocteau Texte. Ihre Bilder stellte sie in Pariser Salons und führenden Galerien der europäischen Metropolen aus.

Aquarelle im Lager

Nach dem deutschen Überfall auf Frankreich wurden Lou Albert-Lasard und ihre Tochter im Mai 1940 von den Franzosen als "feindliche Ausländer" im Lager Gurs interniert. Während ihrer Zeit im Lager schuf Lou Zeichnungen und Aquarelle - bedrückende Zeugnisse aus dem Leben in der Gefangenschaft. Sie zeigt etwa das Elend in der Krankenbaracke, zeichnet die Internierten beim Waschen, Entlausen, Essenfassen, im täglichen Lagerleben - und besteht dabei darauf, dass die Frauen auch äußerlich auf sich halten und ihre Würde und Attraktivität nicht gänzlich preisgeben. Ihre Szenen aus dem Lagerleben erfuhren nach dem Krieg große Beachtung, wurden in Mappen reproduziert und werden bis heute häufig in Ausstellungen gezeigt.

Im August 1940 - die Wehrmacht hatte Frankreich inzwischen besiegt - wurden Lou Albert-Lasard und ihre Tochter aus dem Lager entlassen und kehrten nach Paris zurück. Bis zur Befreiung der französischen Hauptstadt lebte sie zurückgezogen mit Ingo und stellte nicht mehr aus. Nach dem Krieg aber wurde sie erneut ein Mittelpunkt des Pariser Kunstlebens. Literaten und Künstler wie Jean Cocteau, Jean Paul Sartre, Simone de Beauvoir oder Alexander Calder gingen wieder in ihrem Atelier ein und aus. Mit Ingo reiste sie im Wohnwagen durch Europa, traf die Gefährten aus der Vorkriegszeit und knüpfte neue Kontakte mit Künstlern der nachwachsenden Generation. Lou Albert-Lasard starb am 21. Juli 1969 in Paris. Sie ist auf dem Cimetière du Montparnasse begraben.