Wien. Klimageräte konservieren nicht nur Kunstwerke, sondern sie kühlen auch Menschen: Wer bei der anhaltenden Hitze genug von überfüllten Schwimmbädern hat oder in der Stadt einfach eine kurze Abkühlung in der Mittagspause sucht, findet auch im Museum Erfrischung. Denn Kunstgenuss bei rund 20 bis 22 Grad sorgt für einen kühlen Kopf. Manche Häuser - etwa das Belvedere in Wien - bieten bereits den Wartenden in der Schlange im Außenbereich Erfrischungen in Form von Wasserflaschen an.

Während die Klimaanlagen im Büro bei der Hitze schon mal verrückt spielen und das Stillsitzen am Computer sogar zu leichtem Frösteln führen kann, müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Museen konstant gehalten werden, um für die Kunstwerke ein optimales Raumklima zu schaffen.

Einen Vorteil haben hier neuere Häuser, wie etwa das Museum moderner Kunst (mumok) oder das Leopold Museum im Museumsquartier, wo durch die moderne Bauweise eine ideale Klimatisierung bereits mitgedacht wurde. So kann man sich im mumok derzeit etwa bei der Dorit Margreiter-Personale "Really!" abkühlen oder sich in der Op Art-Schau "Vertigo" der Geschichte des Schwindels hingeben. In die Zeit um 1900 reist man unterdessen im Leopold Museum, auf dem Weg dorthin kann man sich nicht nur am Wasserbecken am Museumsplatz abkühlen, sondern auch einen kleinen Umweg durch das "Airship.01" machen, wo allerlei Bepflanzung und Nebeldüsen im Zelt für Abkühlung sorgen.

Über eine nagelneue Klimaanlage verfügt seit vergangenem Jahr die Albertina, wo im Palais nunmehr auf dem neuesten Stand der Technik rund 20 Grad herrschen. So lassen sich die aktuelle Nitsch-Ausstellung sowie die Sammlung Batliner angenehm bestaunen. In den Habsburgischen Prunkräumen wird mit sogenannten "Fancoils" gearbeitet: Das sind energieeffiziente Klimageräte, die zugleich kühlen (bzw. im Winter wärmen) und die Raumluft befeuchten. Wasserflaschen werden zwar nicht verteilt, dafür warten im Shop Flaschen mit dem Dürer-Hasen zum Selbstbefüllen.

Denkmalschutz versus moderne Bauweise

Schwerer hat man es da schon in alten Gemäuern wie etwa dem Kunsthistorischen Museum (KHM). "Das Klima generell und steigende Temperaturen sind besonders in historischen, denkmalgeschützten Gebäuden tatsächlich immer wieder auch eine Herausforderung", heißt es aus dem Museumsverband. "Wir setzen in den unterschiedlichen Sammlungen und Standorten auch je nach Beschaffenheit und Material der Objekte auf verschiedene Maßnahmen, um das Klima möglichst konstant zu halten." Diese reichen von Sonnenschutzfolien und Außenbeschattungen bis hin zu vollklimatisierten Bereichen. Aktuell können sich die KHM-Besucher in der Kunstkammer auf 23 Grad freuen; in der Gemäldegalerie, der Antikensammlung und der Ägyptisch Orientalischen Sammlung herrschen angenehme 26 Grad.

Angesichts der immer länger werdenden Hitzeperioden mit neuen Rekorden auf den Thermometern setzt man sich im KHM bereits mit künftigen Lösungen auseinander: "Da eine Vollklimatisierung in denkmalgeschützten Gebäuden einerseits schwer durchzuführen ist und andererseits langfristig wiederum die Umgebungstemperatur steigen lässt, gibt es einen regen Austausch mit anderen Museen und mit der Fernkälte, um hier in Kenntnis der neuesten Entwicklungen für langfristig sinnvolle innovative und nachhaltige Lösungen zur Klimatisierung zu bleiben." So steht auch künftig der Abkühlung durch Kunstgenuss nichts im Wege. (apa)