"Escape!" kommt am 14. Oktober ins Wiener Museumsquartier. - © Deborah Sengl
"Escape!" kommt am 14. Oktober ins Wiener Museumsquartier. - © Deborah Sengl

Wien. Die Künstlerin Deborah Sengl ist vieles. Und ab Herbst im Wiener Museumsquartier (MQ) auch Fluchthelferin - oder genaugenommen: Fluchterfahrungshelferin. Unter dem Titel "Escape!" will die 45-jährige Wienerin ab Herbst mittels Liveaction-Fluchtspiel zum Nachdenken und Nachfühlen über Migration und deren Ursachen anregen.

Ausgangsschema für die Intervention ist das Prinzip der beliebten Escape Rooms, also jener Rätselräume, aus denen Teilnehmer innerhalb einer vorgegebenen Zeit entkommen müssen. "Die Escape Rooms bieten eine erstaunliche Möglichkeit für ein emotionales Erlebnis", so Sengl bei der Präsentation des Vorhabens am Dienstag. Die Narrationen der gängigen Einrichtungen seien für sie aber leidlich uninteressant.

"Escape!" soll gewissermaßen den niederschwelligen Zugang zu einem hochkomplexen Thema darstellen. Die Besucher werden mit scheinbar ausweglosen Situationen konfrontiert, die nicht nur knifflig zu lösen, sondern auch emotional konfrontativ sind. Es geht um eine Ahnung von den Ängsten und Herausforderungen, mit denen real Flüchtende konfrontiert sind.

"Der Mensch im Vordergrund"

"Ich möchte niemanden erziehen oder missionieren, aber ich möchte die Menschen in den 60 Minuten in diesem Raum gefühlvoller machen, verständnisvoller", so Sengl. Diese Doppelgesichtigkeit des Projekts zeigt sich nicht zuletzt an den Partnern. Einerseits kooperiert man mit der Organisation "Fremde werden Freunde", die sich der Inklusion von geflüchteten Menschen widmet. Im Bestreben eines respektvollen Ansatzes konnten die Betroffenen in der Entstehung ihre Ideen und Erfahrungen in "Escape!" einbringen und sind am umfangreichen Begleitprogramm beteiligt. Andererseits ist an der Umsetzung auch der Escape-Room-Betreiber Time Busters beteiligt.

"Der Mensch steht im Vordergrund von Deborah Sengls Arbeiten - und das meist mit einer feinen, ironischen Note", streute MQ-Direktor Christian Strasser der Künstlerin Rosen. Das Museumsquartier sei ein Ort der Kommunikation - und dazu sei Sengls Arbeit genau das richtige Projekt.

Die Eröffnung der rund 300 Quadratmeter umfassenden Anlage in den einstigen Räumlichkeiten des math.space ist für den 14. Oktober angesetzt. Das Areal steht erkundungsfreudigen und kunstaffinen Spielern dann bis Ende 2020 offen, wobei die Tickets ab sofort gebucht werden können. Man zielt auf Gruppen von vier bis acht Personen ab, wobei die Tickets 26 Euro pro Kopf kosten. (apa)