Angesichts heutiger Fotobände, egal ob in Kunst oder Wissenschaft, lässt sich nicht ahnen, wie schwer der Weg zur Verbindung von Text und Foto zu einem machbaren und preislich leistbaren Druckverfahren gewesen ist. Ein Forschungsprojekt zum 20-Jahr-Jubiläum der Gründung einer Fotosammlung in der Albertina gibt mit etwa 300 Büchern, vom Prachtband, Atlanten, über einzelne Mappen mit Industriedokumentationen, Beispielen aus Archäologie, Zoologie, Astronomie, bis zu Reiseberichten, Werbebroschüren oder künstlerischen Entwürfen, mit begleitenden Originalfotos und Probedrucken, einen Einblick in eine so kreative wie komplizierte Geschichte.

Der Katalog ist für die Ausstellung "Foto. Buch. Kunst" mit Österreichschwerpunkt und Digitalisierung aller an die Albertina gelangten Bibliotheksbestände aus der 1886 gegründeten staatlichen "Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproduktionsverfahren" (später nur noch "Graphische" genannt) ein wichtiger Begleiter, um die Druckverfahren als Suche nach "dem Ei des Columbus" samt vielen Sackgassen mit einigen Faksimileeinlagen besser zu verstehen.

Eingeklebte Originalfotos

Es fing um 1840 damit an, dass die Reproduktion Josef Berres’ von Daguerreotypien durch Ätzung als "Phototypie" nur wenige blasse Ergebnisse lieferte. So wurden durch Nachzeichnen der Originalfotos Lithografie und Holzschnitt (Xylografie) zum Text in Büchern eingesetzt. 1857 kamen eingeklebte Originalfotos zum Einsatz, die allerdings trotz Papierabzugsverfahren tausende Reproduktionen für eine auch noch so niedrige Auflage nötig machten, ein nur für den Hochadel leistbares Unterfangen.

Die Vision, Publikationen mit als authentisch geltenden Aufnahmen zu bestücken und wirklich aufklärerisch zu wirken, verfolgte die ganze Wissenschaft - neben Ministerien und Industrie, die dokumentieren wollten: In der Archäologie sind hier Alexander Conze und Otto Benndorf, sowie in der Kunstgeschichte Rudolf von Eitelberger und Alois Riegl zu finden. Man startete mit Eduard von Sackens Prachtband der Ambraser Rüstungen 1857, 1862 hatte Andreas Groll bereits an die 60.000 Abzüge geliefert. Bei Tieren hatten Zoologen die Schwierigkeit mit steif wirkenden Präparaten statt Naturaufnahmen. Erst mit dem Lichtdruckverfahren 1868 sowie der 1883 patentierten Autotypie, die es erstmals gestattete, Text und Fotografie in einem zu drucken, kam die Wende. Durch einen Kasten Alois Auers, dem "Polygraphischen Apparat", mit allen Druckproben zu technischen Verfahren um 1853 sind Versuche wie Galvanografie, Mikrotypie oder Chromolithografie belegt.

An der "Graphischen" perfektionierte Josef Maria Eder die vielen Verfahren, sodass 1914 zur BUGRA-Buchmesse in Leipzig das Ende der noch von der Wiener Werkstätte geliebten Prachtbände abzusehen war zugunsten leistbarer Massenproduktion kleinerer Bücher über Reisen in ferne Länder, die Alpen, den "Wurstelprater" (von Emil Mayer und Felix Salten) oder das Elend in Wien. Die Fotos hatten ab 1920 eher künstlerischen, bei Friedrich Kieslers Theatertechnikausstellung und dem Bauhaus avantgardistischen Anspruch.