Klagenfurt/Wien. Dem Klagenfurter Wörthersee-Stadion steht "Österreichs größte Kunstinstallation" ins Haus. Im Rahmen des Projekts "For Forest" soll ab 8. September bis zum 27. Oktober ein Mischwald aus 299 rund 14 Metern hohen Bäumen auf dem Spielfeld entstehen. Umgesetzt wird das Projekt von dem Schweizer Klaus Littmann, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Zeichnung "Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" des heimischen Künstlers Max Peintner in Szene zu rücken. Wissenschafter sind zwiespältig ob des Vorhabens. Während Forstwirt Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur Wien das Projekt "als spannenden Denkanstoß" empfindet, reagiert die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter mit Kritik auf die Kunstinstallation. Den Bäumen werde damit "durchaus Gewalt angetan".

Einsatz von fossiler Energie

Das Spielfeld werde "gänzlich von einem Mischwald in Besitz genommen", im Zuge dessen rund 300 Bäume Platz finden sollen, heißt es auf der Homepage des Projekts. Aus umwelthistorischer Sicht werde hier "unpräzise formuliert und gedacht", so die Forscherin vom Institut für Soziale Ökologie der Boku. Vielmehr nehme "ein Landschaftsarchitekt Besitz von diesem Stadion und benützt dazu Bäume, die er nach ihm genehmen Kriterien auswählt, wodurch ein Park oder Garten entsteht", der nur für begrenzte Zeit so wirken soll, als hätte sich die Natur der Fläche bemächtigt, so Winiwarter im Gespräch mit der Austria Presse Agentur.

Es stelle sich die Frage, ob dem Mischwald als gesamtes Ökosystem Rechnung getragen wird, das in seiner natürlichen Form auch Bodenorganismen oder Eichhörnchen, Vögel und Wild umfasst. Ob der von den Initiatoren etwa als "monumentale Installation" bezeichnete Aufbau wie behauptet "den Blick auf die Zukunft der Mensch-Natur-Beziehung schärfen könne, ist für Winiwarter überdies fraglich - auch, weil die Realisierung "nur durch massiven Einsatz von fossiler Energie und Technologie möglich ist".

Wenn "For Forest" mit speziell auf die Verpflanzung hingezüchteten Bäumen aus mitunter weit entfernten Baumschulen - aus Italien, Belgien und Norddeutschland - arbeite, habe das mit einer Hinführung zur Natur wenig zu tun, auch wenn die Bäume nachher in einem Park angepflanzt werden. "Baumschulbäume auf einer Platte sind kein Wald", so die Forscherin.

Das Ansinnen, den Wald stärker ins Bewusstsein der Menschen zu holen, sei "eine wichtige Sache. Auch weil es damit kokettiert, ein sonst sehr häufig in der Landschaft vorhandenes, aber von vielen nicht wahrgenommenes Element ins Zentrum zu rücken", betont hingegen Rupert Seidl.

Immerhin hätten viele heimische Wälder aktuell mit der Klimaerwärmung und ihren Folgen zu kämpfen. Das in manchen Regionen verstärkte Baumsterben sei greifbar und werde Österreichs Wälder verändern.

Es kommen Neue nach

Die im Schnitt hohen Temperaturen in Kombination mit weniger Niederschlag "bringen einige der Bäume an ihre Grenzen". Die Wärme erleichtert wiederum Borkenkäfern das Leben, während die Abwehrkräfte der Bäume geschwächt sind. In Folge kann das zur explosionsartigen Vermehrung der Käfer führen, die hierzulande natürlich vorkommen, deren Bestand sich in der Regel aber im Gleichgewicht mit dem Ökosystem befand.

An dem Beispiel werde deutlich, dass sich gerade ein "Kreislauf aufschaukelt", in dem in manchen Regionen gestresstere Bäume gestärkten Gegenspielern gegenüber stehen. Erhöhte Baummortalität sei einerseits ein recht klar sichtbares Phänomen und andererseits auch ein wirtschaftliches Problem für Waldbesitzer.

"Wenn Bäume sterben, stirbt aber nicht der Wald. Denn auch dort, wo jetzt etwa im Waldviertel viele Bäume sterben, kommen neue nach. Insofern ist das auch immer eine Chance für eine nächste Generation, die vielleicht besser an die klimatischen Bedingungen angepasst ist", betont der Forscher. Als wärmeliebendere Baumart habe die Eiche voraussichtlich gute Chancen auf ein großflächigeres Comeback.

Die öfters angestellte Rechnung, mit großflächiger Aufforstung viel Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre zu holen und so der Erwärmung entgegenzuwirken, sei "prinzipiell eine gute", so Seidl. Der Wald könne aber lediglich einen Beitrag zum Abfedern des Klimawandels leisten, "er kann aber nicht unser ursächliches Problem - nämlich die Emission von Treibhausgasen - lösen", betonte der Forscher, der für Österreich flächenmäßig "kein sehr großes Potenzial" für den Zuwachs an Waldflächen sieht.