Egon Schieles "Die Mutter und die Tochter" (1913). - © Leopold Museum
Egon Schieles "Die Mutter und die Tochter" (1913). - © Leopold Museum

Wien. Eine Gouache von Egon Schiele sowie vier Zeichnungen von Gustav Klimt stehen im Zentrum eines Provenienzfalls, der durch Beschlüsse aus den Jahren 2017 und 2018 bereits abgeschlossen schien. In einem der APA vorliegenden Brief fordert der Anwalt eines Erben nach der Familie Lederer die Arbeiten nun vom Leopold Museum zurück.

Dabei geht es um Schieles "Die Mutter und die Tochter" sowie vier Klimt-Zeichnungen. Im Falle der Klimt-Zeichnungen sah die vom Kulturministerium eingesetzte Michalek-Kommission, die die von der Provenienzforschung erarbeiteten Gutachten bewertet, im Oktober 2018 keinen Anlass für eine Rückgabe, im Dezember 2017 hielt man im Beschluss bezüglich "Die Mutter und die Tochter" fest, dass nach "derzeitigem Wissensstand" nicht geklärt werden könne, ob das Blatt zu restituieren wäre.

"Veraltetes Dossier"

Im Fall von "Die Mutter und die Tochter" geht der Erbe davon aus, "dass der Kommissionsentscheid auf einem veralteten Dossier basiert", wie es nun heißt. Allerdings beurteile er auch das zweite Dossier "als grob falsch, geht es doch von einem Verkauf des Werks von Erich Lederer an den Raubkunsthändler Wolfgang Gurlitt aus, wofür keinerlei objektiver Hinweis vorliegt". Was die Klimt-Blätter betrifft, hinterfragt der Erbe ebenfalls einen freiwilligen Verkauf an Gurlitt nach dem Zweiten Weltkrieg. Fazit des Erben: "Das Leopold Museum hat seit Wally gar nichts gelernt. Das Kunstrückgabegesetz und sein Vollzug sind höchst reformbedürftig."

Im Bundeskanzleramt bestätigt man den Eingang des Anwaltschreibens: "In der Tat erging erst vor wenigen Tagen eine umfangreiche Eingabe an das BKA sowie an das beratende Gremium der Leopold Museum Privatstiftung. Die Unterlagen werden in den nächsten Wochen geprüft und gegebenenfalls dem Gremium vorgelegt."

Die Leopold Museum-Privatstiftung erklärt, bis dato keine neuen Unterlagen zu den oben angeführten Werken erhalten zu haben. Sollten diese eintreffen, werde man sie an die gemeinsame Provenienzforschung von Bundeskanzleramt und Leopold Museum-Privatstiftung weiterleiten. Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum, vertraue auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Provenienzforschung und deren juristische Beurteilung durch das Gremium. Zudem verweist er auf die bisherige Informationslage sowie die öffentlich einsehbaren Dossiers und Beschlüsse. (apa)