Im Rahmen der Kunstinstallation "For Forest" mit Pflanzung eines Waldes am Rasen des Klagenfurter Wörthersee-Stadions durch den Schweizer Landschaftsarchitekten Klaus Littmann ab 8. September, ist viel zu wenig die Rede vom Erfinder dieser utopischen Idee in den 1970er Jahren, Max Peintner.

Eine Zeichnung des 1937 in Hallein geborenen, in Wien ausgebildeten Architekten, der auch heute hier als bildender Künstler und Essayist lebt, lässt die Bewohner einer grauen, aus Wolkenkratzern und Industriebauten bestehenden Stadt in einem Stadion auf ein Wunder am Fußballfeld blicken - einen herbstlich bunten Wald. Peintner holte sich Anregungen aus führenden Avantgardegruppen der 1960er Jahre, den experimentellen Architekten um Hans Hollein und Raimund Abraham, die mit Walter Pichler auch Skulptur und Design revolutionierten, und der "Wiener Gruppe", im Speziellen von Fritz Achleitner, der wie Peintner als Architekt nur schrieb, zeichnete und sich der Theorie verschrieb, sowie Oswald Wiener.

Max Peintner: stiller Avantgardist. - © Georg Kargl
Max Peintner: stiller Avantgardist. - © Georg Kargl

Aus dessen 1960 publizierten Buch "die verbesserung von mitteleuropa" übernahm er die Gesellschaftskritik, auch ihm ist Kunst Widerstand gegen das Wohlbefinden, dem Markt folgte er nie, war immer angriffig gegenüber Technikgläubigkeit, und beklagte die geringe Bereitschaft, politischer Aufarbeitung des Nationalsozialismus nach 1945.

Peintners frühe Veröffentlichung "Sechs Beiträge zur Zukunft. Technik und Zivilisationskritik unter dem Deckmantel der Utopie", sowie eine Zeichnung wie "Der Wanderer vor dem Strahlenmeer. Nächtlicher Spaziergang von Hitler und Speer" mit zwei Schattenfiguren vor dem Lichterdom sind dafür typische Beispiele. Hollein wählte ihn wegen seiner kritischen Haltung für die Biennale 1986 in Venedig aus. Damals war Peintner sehr bekannt durch internationale Ausstellungen wie die Documenta 6 in Kassel 1977, seine Blätter wurden vom MoMa in New York gekauft. Der zerstörerische Eingriff des Menschen in die Natur, Kritik an neuen Medien und die Analyse der eigenen Körper- und Sehempfindungen nach dem Philosophen Ernst Mach beschäftigten Peintner.

"Kreidefels auf Rügen", Max Peintner. - © Peintner/Galerie Kargl
"Kreidefels auf Rügen", Max Peintner. - © Peintner/Galerie Kargl

Ähnlich sarkastisch wie Hermann Painitz, der die Planierung der Alpen vorschlug, zeichnete er bis 1976 visionäre Felsstürze, Seilbahnen zwischen den Wolken, Flugzeuge, die auf Autobahnen landen, ausgetrocknete Flussbetten, terrassierte Berge und bedrohliche Blicke aus Betten und Zügen, die ein Zurasen auf aussichtslose Situationen eröffnen, dazu Denkmäler und Kreuze, die sich als TV-Bildschirme entpuppen, ähnlich Pichlers "Prototypen".

Der Blick aus und auf den eigenen Körper beim Klettern beschäftigte ihn bis in die 1990er Jahre, wobei die Sehanalysen mit angeregt waren durch die in Amerika tätigen Alfons Schilling und Bernhard Leitner, mit denen er 1991/92 beim Steirischen Herbst und bei Trigon in Graz ausstellte. Dadurch kuratierte Peter Weibel 2000 mit Christa Steinle seine große Retrospektive im Joanneum, nachdem er Peintner schon 1997 in seiner legendären Schau "Jenseits von Kunst" gezeigt hatte - auch Harald Szeemann zeigte Werke in seiner Schau "Austria im Rosennetz".

"Mein Besuch in der sächsischen Schweiz" von Max Peintner. - © Peintner/Galerie Kargl
"Mein Besuch in der sächsischen Schweiz" von Max Peintner. - © Peintner/Galerie Kargl

Trotzdem blieb der stille Avantgardist Peintner relativ unbekannt, was angesichts seines langjährigen Projekts zu Caspar David Friedrich 1998 - 2009 verwundert; er präsentierte es mehrmals in Georg Kargls Galerie bis 2013. Darin arbeitete er mit Ölkreiden an Raum-Kompositionsanalysen und überlappender Selbstwahrnehmung der Welt, wobei Kondensstreifen der Flugzeuge auftauchen und die Rotation der Erde den Wanderer vom Felsen stürzen, aber auch einfrieren lassen. Weitere Selbstversuche, bei denen "Caspar" als Rückenfigur auf Felsen auftaucht, aber auch "Ostern", 2009 als Christus vor dem Kreuz im Riesengebirge aus dem Grab steigt, studieren Friedrichs Naturmystik. "Porno ist out, Religion ist in" bemerkte er dazu und ließ mit "Apokalypse now" 2001 den Mönch am Meer auf die rauchenden World-Trade-Center-Türme stoßen. Die vieldeutigen futurologischen Welten des künstlerisch jung gebliebenen 82-Jährigen treffen nun nach 50 Jahren wieder den neuen Umwelt-Zeitgeist.