Die "Venus mit dem Apfel der Zwietracht" aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. ist einer der Höhepunkte der Art & Antique. - © Christoph Bacher Archäologie Ancient Art
Die "Venus mit dem Apfel der Zwietracht" aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. ist einer der Höhepunkte der Art & Antique. - © Christoph Bacher Archäologie Ancient Art

Salzburg. Der Festspielbesucher, das unbekannte Wesen. Seit einigen Jahren können Karawanen von Galeristen und Kunsthändlern beobachtet werden, die sich während der Festspiele zu Kunstmessen vor Ort aufmachen. Der vermeintlich erfolgversprechende Anreiz kann auf eine simple Gleichung reduziert werden: Internationale Festspielbesucher, die tausende Euro für Theater- und Operntickets ausgeben, verfügen auch über ein Budget, um in Kunst zu investieren.

Das Interesse an bildender Kunst wird von den Messebetreibern als selbstverständlich vorausgesetzt. Hier stellt sich die Frage, ob die Korrelation der Realität entspricht. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein relevanter Prozentsatz der divergenten Gruppe Festspielbesucher nicht nur für Kunst interessiert, sondern auch Geld dafür ausgibt? Eine bis dato vage Größe. Ein Manko, dem mit steter Präsenz, einem Sammlerprogramm und gezielten Kooperationen mit den Festspielen begegnet werden muss. Lediglich mit lauten Rufen "Wir sind da!" auf sich aufmerksam machen, wird für einen nachhaltigen Erfolg zu wenig sein.

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Zwiespältiger Eindruck

Salzburger Praxistest 2019: Heuer buhlen drei Kunstmessen um betuchte Klienten. Die Gruppe rund um die Galerien Salis, Wienerroither & Kohlbacher, Beck & Eggeling und Ruberl hat sich das noble Etikett eines Kunstsalons gegeben und präsentiert eine kuratierte Ausstellung ohne Messestände. Das Konzept hat im Rahmen der Art & Antique in der Wiener Hofburg sehr gut funktioniert. Die Ausgabe in der Sala Terrena
hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Man vermisst den Überraschungseffekt. Die Gegenüberstellungen wirken redundant. Wobei beeindruckende Einzelwerke ins Auge stechen: das Aquarell "Nachts" von George Grosz (Wienerroither & Kohlbacher) oder
die Bronze-Skulptur "Kitsune Head" von Leiko Ikemura (Beck & Eggeling).

In vorangegangenen Jahren war die Fotografiegalerie Faber Teil des Kunstsalons. Er ist jedoch zur neuen Messe Siaf (Salzburg International Art Fair) abgewandert. Hervorstechendes Merkmal der neuen Kunstmesse: Sie findet in einem Terminal des Salzburger Flughafens statt. Sie wurde von Wolfgang Pelz (u.a. Art Austria, Kunstsalon Perchtoldsdorf) ins Leben gerufen. Pelz ist die personifizierte Hochschaubahn der heimischen Kunstmessenorganisatoren. Einmal top, dann wieder mau.

Für die erste Ausgabe der Siaf mit Fokus auf zeitgenössische Kunst hat er teilweise renommierte Galerien gewonnen. Aufgefallen sind eine detaillierte wie ironische Zeichnung von Lionel Favre (5500 Euro) und eine Skulptur von Tony Cragg (330.000 Euro) bei Mauroner, feine Arbeiten von Linda Berger (zwischen 3800 und 8000 Euro) bei der Galerie 3, die Studien von Markus Redl bei Kandlhofer, die bekannte Bewegungsstudie von Rudolf Koppitz (180.000 Euro) bei Faber und eine packende Pferdekopfskulptur von Sofia Goscinski (12.000 Euro) bei Contemporary Art Advice. Ob ausreichend kaufkräftige Besucher einchecken werden, wird sich zeigen. Die Siaf wird jedoch nicht umhin können, sich eine eigene Sammleraktivierungsstrategie zu überlegen. Ein Besuch ist zu empfehlen.

Beste Voraussetzungen

Die besten Voraussetzungen zu reüssieren, hat die Art & Antique: limitiert auf zehn Aussteller, ein breites Angebot mit hoher Qualität, ein klimatisiertes Zelt mitten im Zentrum und jahrelange Expertise im Umgang mit dem Festspielzirkus. Die Qualität beweist sich in Arbeiten wie dem opulenten Sonnenblumenfeld von Marie Egner bei Kolhammer & Mahringer, einem wunderbaren Aquarell von Pablo Picasso bei der Galerie Française (220.000 Euro), der außergewöhnlichen wie etwas erschreckenden (die Augen!) "Venus mit dem Apfel der Zwietracht" (Bronze, 2. Jahrhundert n. Chr., 38.000 Euro) bei Bacher Ancient Art und einem atemberaubenden Großformat von Oskar Laske beim Kunsthandel Freller. Die detaillierte Arbeit "Jahrmarkt des Lebens" aus dem Jahr 1936 besitzt absolute Museumsqualität (550.000 Euro).

Ob drei Kunstmessen dem Mythos Festspielbesucher näher auf den - kunstbudgetären - Grund kommen, werden folgende Ausgaben zeigen. Auf jeden Fall muss vermieden werden, sich durch gleichzeitig anberaumte Vernissagen (Siaf und Art &Antique) zu kannibalisieren.